Im April erst haben Europas Finanzminister ein Hilfspaket für Zypern geschnürt – doch jetzt bittet die zyprische Regierung offenbar wieder um Finanzhilfe. Präsident Nikos Anastasiadis habe einen Brief an die europäischen Verantwortlichen geschrieben, in dem er um Hilfe für die größte Bank der Insel, die Bank of Cyprus bat, berichtet das „Wall Street Journal“.

Das im April vereinbarte Rettungspaket umfasst 10 Milliarden Euro. Viele Finanzminister der Eurozone zögerten zunächst, ein Bankensystem zu stützen, dessen Kunden oft aus Russland stammen und dort oft die Steuern umgehen. Am Ende wurde eine Bank geschlossen, auch die Bankkunden mussten auf Geld verzichten – nach Protesten wurden nur die Kunden herangezogen, die mehr als 100.000 Euro auf den Konten hatten.

Inzwischen hat die Europäische Zentralbank bekannt gegeben, dass Zyperns Bürger mehr Vermögen haben als die vieler anderer Staaten. Außerdem wurde öffentlich deutlich, dass Zyperns Banken auch an gewagten Spekulationen auf griechische Staatsanleihen gescheitert sind: Sie kauften auch dann noch Anleihen, als deren Wertverlust schon absehbar war. Auch Einzelpersonen kamen in den vergangenen Wochen in den Fokus: Anfang Juni hat der Staat vorübergehend milliardenschwere Vermögen von drei Managern der abgewickelten Laiki-Bank eingefroren.

Andererseits haben Sparpakete in der Fachdiskussion an Beliebtheit verloren. Eine wichtige Sparstudie kam wegen eines Excel-Fehlers in die Diskussion, auch der Internationale Währungsfonds weicht seine Haltung zum Sparen immer weiter auf.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis bemängelt nun laut „Wall Street Journal“, dass die große Rettungsaktion vom April „ohne sorgfältige Vorbereitung“ erfolgt sei. Darum sei Zyperns Wirtschaft gefährdet. Die bedrohte Bank of Cyprus sei nicht nur für das Bankensystem relevant, sondern für die gesamte Wirtschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation