Topmanager heuern Imageberater an, wenn sie ihren Ruf wieder aufpolieren wollen. Die Branche der Geschlossenen Fonds hat es mit einer Imagekampagne versucht. Mit der wirbt sie um die Gunst der Anleger, die ihr zusehends abhandenkommt. Sie lobt ihre Fonds als „das kleine Wirtschaftswunder“.

Das Wort „wundern“ träfe es allerdings in diesem Fall besser. Denn tatsächlich konnten sich viele Anleger nur wundern, was die Branche zuletzt so trieb. Sie übertraf andere Anlageformen mühelos in einem – im Verbreiten schlechter Nachrichten: Die Renditen sanken, die einstigen Steuervorteile sind längst perdu, und auf jährliche Ausschüttungen warten viele Anleger vergeblich. Viele Schiffsfonds gerieten in Schieflage, etliche davon fahren bereits volle Fahrt voraus in die Pleite, und es werden wohl noch einige folgen. Auch mit Filmbeteiligungen und Schrottimmobilien haben Anleger viel Geld versenkt. Soll man so einer Branche gutes Geld hinterherwerfen?

Viele Sparer tun das nicht mehr. Die Branche sammelte 2012 so wenig Geld ein wie noch nie, nur 4,5 Milliarden Euro. Selbst im Krisenjahr 2008 waren es mehr. Branchenkenner wie Florian Schoeller, Chef der Ratingagentur Scope, attestieren den Fonds inzwischen ein Glaubwürdigkeitsproblem, Analysten sprechen von Vertrauenskrise.
Risikoreiches Investment

Deshalb aber gleich die ganze Anlageklasse abzuschreiben wäre vorschnell. Zumal die Renditen zwar sinken, aber im Schnitt immer noch 5,3 Prozent pro Jahr drin sind – nach Steuern, bei guten Fonds. Manche Branchenbeobachter sehen die Schrumpfung des Marktes deshalb eher wohlwollend und sagen: Jetzt trenne sich die Spreu vom Weizen – sowohl bei Anbietern als auch bei Anlegern.

In der Vergangenheit nämlich brachten viele Initiatoren Fonds auf den Markt, die schlecht erdacht und noch schlechter gemanagt waren. Viele davon fuhren Verluste ein. Auch dubiose Anbieter mischten mit, bei denen man bezweifeln kann, ob sie je am Erfolg der Anleger orientiert waren.

Und obwohl geschlossene Fonds ein risikoreiches Investment sind, verkauften Banken und Vertriebe die Papiere als „sichere Beteiligungen“ massenhaft an Kleinsparer, sogar auf Kredit oder in Form von Sparplänen. Viele Anleger mussten später geleistete Ausschüttungen wieder zurückzahlen, die eingesparten Steuern nachzahlen oder sogar ihre gesamten Einlagen als Totalausfall abschreiben. Etliche Geprellte zogen deshalb vor Gericht. All das hat den schlechten Ruf der Branche zementiert.
Der Anleger wird zum Unternehmer

Einige Banken haben deshalb inzwischen den Vertrieb der Fonds eingestellt. Denn was viele Käufer nicht wissen: Mit den Beteiligungen gehen Sparer selbst ein unternehmerisches Risiko ein. Der Fondsinitiator realisiert ein bestimmtes Projekt, er finanziert etwa ein Flugzeug, kauft ein Bürohochhaus, baut eine Windkraftanlage oder schickt ein Containerschiff zur See, an dem die Anleger Miteigentümer werden. Anders als bei offenen Fonds, wo das Geld der Anleger als Sondervermögen geschützt ist, wird der Sparer bei geschlossenen Beteiligungen direkt an den Gewinnen und Verlusten beteiligt, die das Objekt einfährt. Wird das Hochhaus schlecht vermietet oder am Ende mit Verlust verkauft, verliert der Anteilseigner viel Geld. Hinzu kommt: Während der Laufzeit von mindestens sieben bis zehn Jahren kommen die Anleger nicht an ihr Geld, daher haben die geschlossenen Fonds ihren Namen. Sie müssen zudem mindestens 10.000 bis 20.000 Euro anlegen.

Die Bundesregierung hat nun für den bisher unregulierten grauen Markt ein Gesetz auf den Weg gebracht, das am 22. Juli in Kraft treten soll. Es soll vor allem Kleinsparer abhalten, viel Geld in geschlossene Beteiligungen zu investieren. Künftig dürfen Fonds, die etwa nur eine Immobilie finanzieren und deshalb besonders riskant sind, erst ab einer Stückelung von 20.000 Euro an Privatleute verkauft werden.
Verluste sind nicht selten

Ohnehin rät Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband, „nicht mehr als fünf Prozent des freien Vermögens in geschlossene Fonds zu investieren“. Wer also für 10.000 Euro eine Flugzeug- oder Immobilienbeteiligung kauft, sollte mindestens 200 000 Euro übrig haben, um den Komplettverlust der 10.000 Euro im schlimmsten Fall verkraften zu können.

Ganz selten sind Verluste nämlich nicht, listete der Branchenverband VGF in einer Leistungsbilanz von 799 Fonds über 40 Jahre auf. Demnach floppte immerhin jeder fünfte Fonds. Am besten schlugen sich Immobilienfonds, die zu 94 Prozent mit Erfolg liefen und im Schnitt auf einen Vermögenszuwachs von 73 Prozent über die Laufzeit kamen, rund sieben Prozent im Jahr.

“Solche Renditen gehören eher der Vergangenheit an“, sagt zwar Tilman Welther, Autor des Branchendienstes Fondstelegramm. Doch fünf Prozent Rendite seien für Anleger mit den Sachwertbeteiligungen drin, das sagt auch die Ratingagentur Scope. Bei den Immobilienbeteiligungen und der Windkraft sehen Analysten gute Chancen. Von den Flugzeugfonds schlagen sich einige gut, und selbst bei den Schiffsbetreibern geben noch einige Vollgas für den Anleger.

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