Die Fed flutet die Märkte mit billigem Geld und diese gieren danach wie ein Drogenabhängiger. Dieser Zustand wird auch noch andauern, schreibt Guido vom Schemm, Geschäftsführer von Merito Asset Management.

Die Fed stützt die Wirtschaft seit geraumer Zeit mit einem gewaltigen Anleihekaufprogramm im Gegenwert von 85 Milliarden US-Dollar monatlich. Mit dem dadurch geschaffenen Geld möchte man die anfällige Wirtschaft beleben und gleichzeitig darauf hoffen, dass die Arbeitslosigkeit sinkt.

Den geldpolitischen Kurs möchte man laut Fed-Chef Ben Bernanke erst lockern, wenn die Arbeitslosenquote in den USA auf 6,5 Prozent gefallen ist. Es wird noch lange dauern bis das Ziel nachhaltig erreicht ist. Außerdem sind die Kapitalmärkte derzeit auf Droge, ein zeitnaher, kalter Entzug hätte negative Konsequenzen.

Vor allem die Amerikaner fürchten die Folgen. Immer wieder diskutieren einige Mitglieder der amerikanischen Notenbank über die Folgen der ultraexpansiven Geldpolitik und ob man dieser nicht endlich einen Riegel vorschieben müsse. Doch was wären die Konsequenzen einer 180 Grad Kehrtwende in Sachen Geldpolitik?

Vielleicht hält die Aktien- und Anleihenrallye kurzfristig an. Doch schon schnell würde sich Verunsicherung breitmachen, sollte die amerikanische Wirtschaft bis zur geldpolitischen Straffung nicht auf einem soliden Fundament fußen.
Das US-BIP würde in diesem Fall signifikant zurückgehen, dadurch könnten Turbulenzen nicht nur an den US-Aktienmärkten ausgelöst werden.

Die europäische Wirtschaft, die ebenfalls auf einen starken amerikanischen Partner angewiesen ist, würde die Folgen ungebremst zu spüren bekommen. Als weitere Nebenwirkung suchen die Investoren verstärkt vermeintlich sichere Häfen auf, so dass eine verstärkte Nachfrage nach der amerikanischen Währung zu erwarten ist.

Dies würde zum Zweitrundeneffekt führen, indem amerikanische Exporte sich auf dem Weltmarkt verteuern. Ein Teufelskreis! US- und deutsche Staatsanleihen wären hingegen die Hauptprofiteure in einem solchen Szenario.

Nicht nur die typische Vermögens-Rotation sorgt für Zuflüsse, denn auch eine rückläufige Konjunktur sorgt für geringere Inflation – eventuell für Deflation – und erhöht damit die Attraktivität von Anleihen.

Realistisch betrachtet wird die Fed erst einen Testballon starten können, wenn die Wirtschaft den Rahmen dafür bietet. Ob dieser Test in Form einer Reduktion der Geldmenge oder in Form einer Zinserhöhung stattfindet, bleibt abzuwarten. Wie können Anleger einen Wendepunkt in der Geldpolitik erkennen und diesen sogar antizipieren?

Der Investor kann an den Fed-Aktivitäten am Kapitalmarkt Wendepunkte festmachen. Eine Umkehr der Geldpolitik wird aber erst nach neuen Hochpunkten an den bedeuteten Aktienmärkten passieren. Solche Wendepunkte sind übrigens meistens nachhaltig.

Erste, leichte Zinserhöhungen machen der Börse und der Wirtschaft in der Regel nichts aus. Ein Umschwenken der Fed ist also in naher Zukunft nicht zu erwarten. Viele Indikatoren deuten noch daraufhin, dass die US-Wirtschaft nicht kräftig genug ist, um nachhaltig auf eigenen Füßen zu stehen.

Es ist aktuell eher damit zu rechnen, dass die Märkte noch mehr Drogen verabreicht bekommen. Getreu dem Motto – viel hilft viel. Erst wenn wir deutlich höhere Kurse als heute gesehen haben, ist die Zeit für einen Schwenk in der Geldpolitik reif.

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