Die Landesbank Berlin bringt ein Zertifikat, das bei Kursrückgängen in den Geldmarkt flüchtet. Das hilft jedoch nicht immer. Denn hinter der Notfall-Umschichte steckt eine simple mathematische Regel.

Ich will besser sein als der Dax! Dieses Ziel verfolgen neben Fondsmanagern und Vermögensverwaltern auch viele Privatanleger. Vermeintliche Erfolgsstrategien gibt es wie Sand am Meer. Doch nur wenigen Ansätzen gelingt es, nachhaltig eine bessere Performance als der deutsche Leitindex zu erzielen. Ein mit Blick auf die historischen Daten sehr vielversprechendes Modell hat vor wenigen Jahren die WestLB entwickelt und 2010 folgerichtig auch ein entsprechendes Anlageprodukt aufgelegt.

Nach der Übernahme des Zertifikatgeschäfts der Düsseldorfer durch die Helaba wird das „Strategie-Index-Zertifikat“ aber nicht mehr aktiv zum Kauf angeboten. Kunden, die das Papier im Depot haben, können es noch bis September über die Börse veräußern. Danach wird der Handel des bereits gekündigten Zertifikats komplett eingestellt (WKN: WLB8CZ).

Aus diesem Grund haben die Kollegen der Landesbank Berlin die Idee nun aufgegriffen und als „Dax-Strategie“-Zertifikat in ihr Produktportfolio aufgenommen. Ein Tausch oder auch Neuinvestments sind während der Zeichnungsfrist bis zum 27. März und danach im normalen Handel möglich.

beim alten wie auch beim neuen Produkt entweder in den Dax investiert oder zum aktuellen Geldmarktsatz (Eonia) verzinst. Als Basis dieser Strategie dient das ebenso vertraute wie psychologisch oft schwer umzusetzende Erfolgsrezept „Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“. Konkret wird das Kapital jedes Jahr zum 1. April und zum 1. Oktober komplett in den Dax-Future gesteckt.

Kursplus im zweiten und vierten Quartal

Diese Termine beruhen auf der Erfahrung, dass das zweite und das vierte Quartal historisch betrachtet die durchschnittlich besten Ergebnisse liefern. „Dies lässt sich zum einen auf die Reinvestition der Dividenden im zweiten Quartal zurückführen und zum anderen auf die traditionelle Jahresendrallye, in der viel Kapital seinen Weg in den Markt findet“, sagt Dirk Winkler von der Landesbank Berlin.

Sobald der Dax ausgehend von dem an diesen beiden Terminen festgelegten Referenzwert mehr als acht Prozent verliert, erfolgt zum Schlusskurs des Folgetages automatisch eine Umschichtung in den Geldmarkt. Das Kapital wird dann zum EONIA-Satz verzinst, der aktuell allerdings weniger als 0,1 Prozent pro Jahr beträgt. In dieser Phase geht es aber auch weniger ums Geldverdienen als vielmehr darum, dass die Anleger durch den frühzeitigen Ausstieg vor stärkeren Rückschlägen geschützt werden.

Die gewählte Stop-Loss-Marke resultiert aus diversen Rückrechnungen, bei denen eine Absturz-Höhe von eben diesen acht Prozent im historischen Vergleich die besten Resultate erzielte. Erst wenn der Dax seinen Referenzwert wieder überschritten hat (oder einer der beiden oben genannten Termine erreicht wird), wandert das Geld zurück in den Dax-Future. Den Aufwand zur Überprüfung der Strategieregeln lässt sich die Emittentin allerdings gut bezahlen – mit einer jährlichen Gebühr von 1,3 Prozent. Hinzu kommen Transaktionskosten für den jeweiligen Kauf oder Verkauf der Dax-Future-Kontrakte (WKN: LBB0J9). Wer einsteigt, muss also auf möglichst klare Markttrends hoffen.

Die Vergangenheit wiederholt sich selten

Dass diese doch recht einfache Strategie tatsächlich einen erheblichen Mehrwert bringen kann, zeigen langfristige historische Daten. Seit 1988 hätten Anleger eine jährliche Rendite von 13 Prozent (vor Kosten) erzielt. Der Dax hingegen konnte im selben Zeitraum lediglich 8,5 Prozent pro Jahr zulegen. Absolut betrachtet lesen sich die Unterschiede noch viel bemerkenswerter. Hier steht ein Plus von über 2100 Prozent bei der Strategie einem Dax-Plus von „nur“ 760 Prozent gegenüber.

Euphorie ist trotz dieser beeindruckenden Zahlen jedoch fehl am Platz. Schließlich werden die Anlageregeln bei solchen Strategien immer so ausgewählt, dass sie in der Vergangenheit möglichst gute Ergebnisse geliefert hätten. Eine Garantie für die erfolgreiche Fortsetzung in der Zukunft beinhaltet das nicht. Und so fällt die bisherige Bilanz des gekündigten Zertifikats der WestLB auch nur durchschnittlich aus.

Seit Auflegung im April 2010 haben Investoren zwar rund 28 Prozent gewonnen. Der Dax hat im selben Zeitraum mit einem Plus von knapp 30 Prozent aber noch leicht besser abgeschnitten. Absolut betrachtet war das Ergebnis damit allenfalls zufriedenstellend. Das Ziel, besser als der Dax zu sein, wurde allerdings verfehlt. Denn der Markt unterliegt eben doch noch anderen Gesetzen und hält sich nicht immer an statistisch erzeugte Zeitfenster.

Dabei schien sich die Erfolgsgeschichte zuerst tatsächlich fortzusetzen. Während des Crashs im Spätsommer 2011 gelang dem Zertifikat durch den schnellen Wechsel in den Geldmarkt eine deutliche Outperformance. Dieser Vorsprung wurde Mitte des vergangenen Jahres aber komplett wieder eingebüßt. Der Index galoppierte einfach davon.

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