Im deutschen Aktienhandel herrscht gute Laune: Kurz vor Beginn des Börsenmonats Mai nimmt der Leitindex Anlauf auf die Marke bei 7900 Punkte. Ganz oben auf der Agenda: Die Kapitalmaßnahme bei der Deutschen Bank und der Börsengang der RTL Group.

Dank freundlicher Vorgaben aus Übersee und gestützt auf Kursgewinne bei der Deutschen Bank kann der deutsche Aktienmarkt seinen Erholungskurs auch am zweiten Handelstag der Woche fortsetzen. Der Leitindex Dax legt zur Eröffnung gut 1 Prozent zu auf 7949 Punkte. Für den MDax geht es am Morgen um 0,88 Prozent auf 13.516 Punkte nach oben. Beim TecDax zeigt die Kurstafel ein Plus von 0,73 Prozent auf 931 Punkte. Der Eurostoxx50 steigt um 0,59 Prozent auf 2733 Punkte.

Gewichtigstes Thema am Morgen ist die Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank: Bei der Maßnahme konnte das größte private Kreditinstitut Deutschlands knapp drei Milliarden Euro und damit mehr als erwartet einsammeln. Die Deutsche Bank platzierte bei Investoren de facto über Nacht 90 Mio. Aktien zum Preis von 32,90 Euro. Damit fließen dem Institut eigenen Angaben zufolge 2,96 Mrd. Euro zu. Angepeilt hatte die Bank bis zu 2,8 Mrd. Euro.

Der Bezugspreis entspricht dem Schlusskurs von Montag – kurz nach Marktschluss hatte das Institut die Kapitalerhöhung angekündigt und zugleich überraschend starke Quartalszahlen vorgelegt. Am Dienstag zog die Aktie um 6,3 Prozent auf knapp 35 Euro an.

Knapp drei Milliarden Euro

Insgesamt nahm der Markt die Kapitalerhöhung relativ gnädig auf. „Sie nutzen halt das niedrige Zinsniveau, um die Sache hinter sich zu bringen“, fasste ein Händler die Stimmung zusammen. Gemeinsam mit den überraschend starken Quartalszahlen dürfte es keine Probleme geben, die 2,8 Mrd. Euro am Markt unterzubringen, hieß es vorab. Vor allem die starke Kapitalausstattung nach den neuen Basel-3-Regeln wurde als Grund für den Optimismus genannt.

Dieser Schritt sei überfällig gewesen, schrieben die Analysten von JPMorgan. Sie stuften die Aktie auf „Overweight“ von „Neutral“ hoch. Die Kapitalerhöhung komme zwar überraschend, schrieb DZ Bank-Analyst Christoph Bast. Angesichts der starken Quartalsergebnisse der Deutschen Bank scheine der Zeitpunkt jedoch gut gewählt, meinte Bast. Er hält daher an seiner Kaufempfehlung fest. Die Papiere des größten deutschen Geldhauses legen trotz der Kapitalmaßnahme bis zu 5,5 Prozent zu auf 34,70 Euro.

„Auf das Thema ist lange spekuliert worden, nun ist es raus und künftige Erhöhungen sind erst einmal ausgeschlossen“, meinte ein anderer Händler mit Blick auf die Deutsche Bank. Passend dazu habe auch die UBS bessere Zahlen vorgelegt. Zudem hätten Analysten von Nomura die Aktie der Deutschen Bank hochgestuft. „Damit dürfte die Grundstimmung im Bank-Sektor heute sehr gut sein, was die Platzierung erleichtern wird“, sagte ein Händler.

Unter Verkaufsdruck stehen dagegen Fresenius Medical Care (FMC): Die Aktien verbilligen sich am Morgen um 4 Prozent auf 50,38 Euro. Der Dialyse-Konzern hatte im ersten Quartal einen Gewinneinbruch verbucht. Im Sog von FMC verlieren die Titel des Mutterkonzerns Fresenius 1,8 Prozent auf 94,89 Euro.

Gärende Zinsphantasien

„Die Gewinnentwicklung enttäuscht“, so ein Händler. Das sei überraschend, weil die Prognosetreffsicherheit in der Vergangenheit meistens sehr hoch gewesen sei. Nun liege das Ergebnis von FMC, wie schon im vorletzten Quartal, unter den Erwartungen. „Davon wird auch Fresenius belastet“, sagt ein Analyst. Am Markt heißt es zudem, derzeit seien eher Titel mit höherem Beta gefragt, also mit generell höheren Kursausschlägen.

Gestützt wird die allgemein freundliche Stimmung am Markt von der Zinssenkungsfantasie vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Erwartet wird von vielen Marktteilnehmer ein Zinsschnitt auf 0,5 Prozent. „Die Grundstimmung bleibt auch zum Monatsende positiv“, meint Chris Weston, Marktstratege bei IG Markets.

Keine großen Impulse lösen die Zahlen der Deutschen Börse. Der Marktbetreiber hatte seine Ergebnisse am Vorabend vorgelegt. „Sie sparen sich ihre Gewinne zusammen“, meinte ein Händler zu den leicht übertroffenen Erwartungen. Am Grundproblem von verlorenen Marktanteilen an ECNs oder der steigenden Abhängigkeit vom Hochfrequenzhandel änderten sie jedoch nichts. Die Aktien der Deutschen Börse legen am Morgen 1,6 Prozent zu auf 47,46 Euro.

Technisch dürfte der Dax seinen flachen Abwärtstrend um 7850 Punkte nun nachhaltig überwinden, hieß es aus dem Lager der charttechnisch orientierten Beobachter. Ein Anstieg über 7900 könnte einen weiteren Anlauf an die 8000er Marke ermöglichen, meinten Chartanalysten.

Solarbranche im Blick

Erholungspotenzial sehen Marktteilnehmer bei Wacker Chemie. Die Erstquartalsergebnisse liegen im Rahmen der Erwartungen. „Nach dem deutlichen Rückschlag der vergangenen Wochen sollte sich der Kurs nun erholen“, sagte ein Händler. Ein Test des Abwärtstrends bei etwa 55 Euro sei möglich. Am Morgen liegen die Aktien von Wacker Chemie 3 Prozent im Plus bei 54,84 Euro.

Bei Solarworld bleibt abzuwarten, wie die Anleger die vorläufigen Jahreszahlen aufnehmen. Nach dem Schock von bis zu 560 Mio. Euro Verlust im vergangenen Jahr, fallen die nun berechneten Werte besser aus. Allerdings bleibt dennoch eine Verlustausweitung jenseits der 50 Prozent – bei einem gleichzeitigem Umsatzeinbruch von mehr als 40 Prozent. Zuletzt weicht der Kurs um knapp 1 Prozent zurück auf 0,70 Euro.

Neue Aktie mit MDax-Chancen

Mit dem Läuten einer symbolischen Börsenglocke begrüßten Händler am Morgen einen neuen Titel aus dem Mediensektor in Frankfurt: Die Aktien der RTL Group starteten an ihrem ersten Tag im regulierten Handel an der Frankfurter Börse am Dienstag mit 55,50 Euro. Das entspricht dem Verkaufspreis, den Bertelsmann am Vortag für seine Aktien festgelegt hatte. Mitte April hatte Bertelsmann eine Preisspanne von 54 bis 62 Euro genannt.

Bislang hielt der Konzern mehr als 92 Prozent der Aktien. Jetzt wird ein Paket von gut 17 Prozent für rund 1,4 Mrd. Euro verkauft. Die RTL Group ist der TV-Sender mit den europaweit stärksten Werbeeinnahmen. Mit dem Erlös will Bertelsmann Zukunftsprojekte finanzieren.

Europas größter privater Fernsehkonzern RTL wird von Dienstag an auch an der Frankfurter Börse notiert. Mit einem mehr als verdreifachten Streubesitz hat RTL gute Chancen, in den Nebenwerteindex MDax aufzusteigen. Bertelsmann verringert den Anteil an seiner profitabelsten Sparte, um Geld für Investitionen in neue Geschäftsfelder locker zu machen. Der neue Konzernchef Thomas Rabe will Digital- und Bildungsangebote sowie das Geschäft mit Musikrechten und Fachinformationen ausbauen.

Zusätzliche Impulse dürften am Vormittag von den Zahlen zum spanischen Bruttoinlandsprodukt ausgehen. Am Nachmittag werden in den USA unter anderem der Einkaufsmanagerindex Chicago und Zahlen zum Verbrauchervertrauen veröffentlicht. Sollte der S&P-500 über die Marke von 1600 Punkte steigen, würde der Aufschwung am US-Markt laut Händlern weiter gestärkt.

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