Category Archives: Geldmarkt

Nach Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles. Ach wir Armen!“ Hat das nicht Goethes Faust gesagt? Nein, hat er nicht. Er sagte „Gold“. Aber macht das denn einen Unterschied? Macht es. Denn wenn wir „Geld“ sagen und dabei an Gold denken haben wir eine falsche Vorstellung von der Natur des Geldes. Dies kann uns an der Aufgabe, eine bessere Geldordnung zu bauen, scheitern lassen.

Geld ist kein Gold

Assoziieren wir Geld mit Gold, dann haben wir eine Vorstellung von Geld als einem realen Vermögenswert. Dies entspricht der in den volkswirtschaftlichen Lehrbüchern üblicherweise gegebenen Definition von Geld als Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung. Der „neoliberale“ Walter Eucken, der zu den Wegbereitern für die Soziale Marktwirtschaft gehörte, nannte Geld mit dieser Eigenschaft „Warengeld“. Banken mögen Warengeld verwahren, sie können es bis zu einem gewissen Grad auch vermehren, indem sie es weiterverleihen und nur einen Teil der „Einlage“ als Reserve zurückbehalten. Aber sie können es selbst nicht herstellen. Erst ist das Geld da und dann die Bank. So wird es denn auch in Lehrbüchern beschrieben, und so steckt es immer noch in den Köpfen der meisten Ökonomen.

Aber unser heutiges Geld hängt ja nicht mehr am Gold. Nun meinen viele, dass an Stelle der Goldmine eben die Zentralbank Geld schöpfe. Entsprechend wäre nun erst das Zentralbankgeld da, dann würde es durch die privaten Banken wie für Gold oben beschrieben vermehrt. Das trifft jedoch nicht zu. Zuerst schließen die Banken einen Kreditvertrag, dann schreiben sie die Kreditsumme dem Kreditnehmer auf seinem Girokonto gut, und erst dann gehen sie zur Zentralbank, um sich Zentralbankgeld zu leihen, wobei der Kreditvertrag als Sicherheit dienen kann. Die Versorgung mit Zentralbankgeld passt sich also der Nachfrage an. Unbares Geld wird von privaten Banken durch Kredite geschaffen und gedeckt und ist seinem Charakter nach privates Schuldgeld (Eucken nannte es spiegelbildlich dazu Kreditgeld). Aber auch Schattenbanken können Geld produzieren, indem etwa Geldmarktfonds Anleihen gegen Anteilsscheine aufkaufen, die vom Publikum als ebenso gut wie das Giralgeld der Banken angesehen werden. Bis zur Finanzkrise spielten Schattenbanken eine immer wichtigere Rolle bei der Geldschaffung. Aber privates Schuldgeld ist nur so gut wie die es deckenden Kredite. Fallen Kredite aus, wird privates Schuldgeld vernichtet, wie wir in der Finanzkrise erleben mussten. Um Geldmangel zu vermeiden, sprangen die Zentralbanken ein und kauften unter anderem Staatsanleihen auf. Privates Schuldgeld wurde also durch öffentliches Schuldgeld ergänzt.

Ideen für eine neue Geldordnung

Wer glaubt, dass Geld wie Gold zunächst mal da ist und dann von den Banken über Kreditvergabe vermehrt wird, will den Prozess der Geldvermehrung nun sicherer machen, indem er den Banken mehr Eigenkapital vorschreibt. Darauf konzentriert sich die aktuelle Debatte. Wer dagegen davon ausgeht, dass Banken Geld erst schaffen, wird der Frage nachgehen, ob dies der richtige Ort ist. Obwohl diese Frage entscheidend für die Stabilität unseres Finanzsystems ist, beschäftigt sich nur eine Minderheit von Ökonomen mit ihr. Gegenwärtig kann man dazu drei Positionen finden. Die erste Gruppe, die den britischen Diplomaten Alfred Mitchel-Innes zu ihren Wegbereitern zählt, begreift Geld zwar als Schuldgeld, möchte aber diese Charaktereigenschaft des Geldes in erster Linie zur Finanzierung des Staates nutzen. Ihr kommt es darauf an, dass der Staat sich über die Zentralbank durch Geldausgabe finanzieren kann, und sie nimmt es hin, dass die Banken auf der Seite ein bisschen eigene Geldschöpfung betreiben. Die zweite Gruppe, die Joseph Huber die „New Currency School“ nennt, möchte die Geldschöpfung von den privaten Banken zur Zentralbank verlagern, dabei aber der Zentralbank im Staat eine Stellung geben, die der der Rechtsprechung entspricht. Wie die „Judikative“ soll die „Monetative“ von der Regierung unabhängig sein. Allerdings soll der bei der Geldschöpfung entstehende Gewinn („Seigniorage“ genannt) von der Zentralbank an den Staat überwiesen werden. Die dritte Gruppe, die man als „Neo-Austrians“ bezeichnen kann, will zwar wie die New Currency School die Geldschöpfung von den Banken zur Zentralbank verlagern, möchte die Zentralbank aber noch staatsferner machen und am liebsten zum Goldstandard zurückkehren. Sind das Geld und der Zahlungsverkehr sicher, vermitteln die Banken nur noch zwischen Sparern und Investoren und können allein dem Wettbewerb im Markt überlassen werden.

Der Rubel hat binnen eines Jahres schon 17 Prozent an Wert verloren. Der Schaden greift auf die Realwirtschaft über. Noch vernebelt die Euphorie von Sotschi die Gemüter – doch danach wird es düster.

Schlimmer kann es nicht kommen. Das dachten am Mittwochnachmittag 140 Millionen Russen, nachdem ihre geliebte „Sbornaja“ im Eishockey-Viertelfinale gegen Finnland ausgeschieden war. Doch die eishockeyverrückte Nation muss sich auf größere Übel einstellen. Russland steht vor einer ungewissen Zukunft.

Von den Märkten kommen bedrohliche Signale. Der Rubel rutscht beinahe täglich weiter ab. Zum Euro hat die russische Währung in dieser Woche ein historisches Tief markiert. Der Wertverlust hat inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass auch die Realwirtschaft mit in die Tiefe gezogen wird.

Seit Jahresanfang büßte der Rubel zum Euro rund acht Prozent ein. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Minus sogar 17 Prozent. „Der Rubel-Kursrutsch hat das Zeug, wirklichen Schaden anzurichten“, sagt François-Xavier Chauchat, Ökonom beim Analysehaus Gavekal Dragonomics.

Die Kapitalflucht könnte sich beschleunigen, sollten die Akteure das Vertrauen in die Währung vollends verlieren. „Um einen solchen Exodus zu stoppen, müsste die Notenbank die Zinsen anheben und würde damit die Wirtschaft ruinieren.“

Der Konzern sitzt auf einem Berg von Cash. Nun kauft Apple seinen Aktionären innerhalb von knapp zwei Wochen Anteile im Wert von 14 Milliarden Dollar ab. Doch ein aggressiver Investor will noch mehr.

Apples Bargeld-Reserven sind gewaltig. Dutzende Milliarden Dollar hat der Konzern angehäuft und tut damit größtenteils: nichts. Das erzürnt manchen Apple-Aktionär. Der aggressive Investor Carl Icahn ist extra bei der Techfirma eingestiegen, um an den Bargeldschatz zu kommen. Er fordert, die Rücklagen an die Aktionäre auszuschütten.

Apple gehorcht: Innerhalb weniger Tage hat der Konzern Aktien im Wert von 14 Milliarden Dollar zurückgekauft. Unternehmenschef Tim Cook sagte dem Wall Street Journal, der Absturz der eigenen Aktien um acht Prozent nach der Bekanntgabe der Zahlen am 28. Januar habe die Firma überrascht. Daher habe sich der iPhone-Hersteller entschlossen, „aggressiv“ und „opportunistisch“ zu sein.

Cook zufolge hat Apple in den vergangenen zwölf Monaten Anteilsscheine im Wert von insgesamt mehr als 40 Milliarden Dollar zurückgekauft. Laut Cook ist das ein Rekord in der Konzernwelt.

Die Münchener Rückversicherung sieht den geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) ohne größere Aufregung entgegen: Einen möglichen Schritt in die Negativzinsen muss der im Börsenleitindex Dax notierte Konzern offenbar nicht fürchten. „Wir haben am kurzen Ende der Zinsen ja heute schon negative Realzinsen“, sagte Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard dem Berliner „Tagesspiegel“.

„So gesehen macht es keinen so großen Unterschied mehr, ob eine Bank bei der EZB, wenn sie dort Geld einlegt, keine Zinsen bekommt oder sogar ein bisschen bezahlen muss.“ Die Entscheidung der Währungshüter hätte vor allem Symbolcharakter.

Die Debatte um Minuszinsen im Euroraum hält Experten bereits seit mehr als einem halben Jahr in Atem. Mitte Mai hatte Italiens Notenbankchef Ignazio Visco – der mit im Kreis der Euro-Währungshüter innerhalb des EZB-Rats sitzt – erstmals erwähnt, dass der Einlagesatz, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, durchaus auch unter null Prozent fallen könnte. Die Überlegungen wurden seitdem durch wiederholte Aussagen anderer hochrangiger Notenbanker bekräftigt.

In der Branche der Banken und Versicherer stießen diese Überlegungen bislang auf vehemente Kritik. Zuletzt hatte sich zum Beispiel Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen ausdrücklich gegen die Verhängung sogenannter „Strafzinsen“ ausgesprochen. Neben den Geldhäusern haben vor allem auch die Versicherer mit dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld zu kämpfen. Angesichts der schwachen Verzinsung klassischer Anlagen wie Tagesgeldkonten oder Anleihen sprechen Beobachter auf der Ebene der privaten Investoren mittlerweile von einem „Anlagenotstand“, der Anleger in riskantere Geschäfte treibe und zu einer „Flucht in die Sachwerte“ führe.
Keine Blase in Sicht

Trotz Höchstpreisen für deutsche Aktien und Immobilien sieht Bomhard jedoch noch keine Spekulationsblase. Der Dax insgesamt sei derzeit nicht überbewertet, und der deutsche Immobilienmarkt sei nicht so volatil wie in anderen Ländern. „Ich glaube deshalb nicht, dass der deutsche Immobilienmarkt irgendwann ins Bodenlose stürzt.“

Kritik übte Bomhard am Verbot von Erdgas-Bohrungen nach der Fracking-Methode in Deutschland. Die Politik hätte sich ergebnisoffen damit befassen sollen, aber „daran fehlt es derzeit in Deutschland“. In den USA versichere die Munich Re entsprechende Anlagen.

Greift die EZB bald zu einer neuen Waffe im Kampf gegen die Eurokrise? Um die Banken zu zwingen, den Unternehmen in den Krisenländern endlich wieder Geld zu leihen, könnte sie den Einlagezins unter null senken. Dann wird es womöglich auch für Sparer teuer.

Der Leitzins auf Rekordtief. Die dicke Berta immerzu bereit Staatsanleihen Staatsanleihen zu kaufen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einige Waffen gezückt im Kampf gegen die Schuldenkrise. Nun könnte eine neue hinzukommen. In den Gremien der Notenbank werde bereits darüber diskutiert, den Zinssatz, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB bekommen, unter null zu senken, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS). Doch was bringt das? Und geht es dann auch den Sparern an den Kragen?

Die Idee hinter dem Mogelzins: Insbesondere die von der Schuldenkrise gebeutelten Länder stecken in einer Kreditklemme. Dort leihen die Geschäftsbanken den Unternehmen nicht in dem Maße Geld, wie diese es benötigen, um zu wachsen. Stattdessen parken die Kreditinstitute ihre Euro sicher – wenn auch zu einem geringen Zins – bei der EZB. Um das zu vermeiden und damit Banken wieder mehr Kredite vergeben, könnte die Notenbank für diese Einlage nun Geld verlangen.

Müssen die Sparer blechen?

Dass diese Maßnahme Erfolg hätte, bezweifeln Experten wie Michael Koetter, Banken-Professor an der Frankfurt School of Finance. „Ich glaube nicht, dass die Banken ihr Geschäftsmodell ändern würden, nur weil der Einlagezinssatz ein paar mickrige Prozentpunkte im negativen Bereich liegt“, sagt Kötter.

Der Online-Versandhändler Amazon stellt seine Währung „Coins“ nun auch deutschen Kindle-Nutzern zur Verfügung. Zum Start erhalten alle Besitzer eines Kindle Fire ein Startguthaben von 500 Coins im Wert von fünf Euro, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Mit der Währung können Nutzer des E-Book-Readers zum Beispiel Apps und Spiele kaufen.

Die im Sommer bereits in den USA eingeführte Kunstwährung soll den Kunden als eine zusätzliche Möglichkeit zum Bezahlen etwa in Amazons App-Shop zur Verfügung stehen. Spiele und Apps, die mit Coins bezahlt werden, gibt Amazon mit einem Rabatt von bis zu zehn Prozent ab.

Für Entwickler von Apps sei die Bezahlung mit Coins eine weitere Möglichkeit, ihren Umsatz zu erhöhen, teilte Amazon mit. In den USA habe sich gezeigt, dass Entwickler seit dem Start der Währung bereits einen deutlichen Aufschwung erlebten. Coins stünden ihnen kostenlos zur Verfügung. Entwickler würden weiterhin ihren Anteil von 70 Prozent an den Erlösen erhalten.

Mit rund 175 Milliarden Euro bewegt sich die Überschussliquidität am Geldmarkt am Dienstag weiter in einem komfortablen Rahmen. Zuletzt habe sie sich um dieses Niveau eingependelt, sagt ein Disponent. Damit besteht aktuell wohl kein unmittelbarer Handlungsbedarf seitens der EZB, die bei einem zu starken Absinken der Überschussliquidität einen Anstieg der Marktzinsen befürchtet.

Konstant zeigt sich auch der Liquiditätsbedarf der Banken beim wöchentlichen Refinanzierungsgeschäft der EZB. Wie die Zentralbank mitteilte, wurden 86,88 Milliarden Euro zum Festzinssatz von 0,25 Prozent zugeteilt. Das neue Geschäft mit Fälligkeit am 27. November wird am 20. November valutiert, an dem ein alter Tender über 87,74 Milliarden Euro ausläuft. Damit besorgten sich die Banken des Euroraums 0,86 Milliarden Euro weniger Liquidität.

Gegen 11.30 Uhr wurden am Euro-Geldmarkt folgende Sätze genannt (Angaben in Prozent, Werte vom Vortag in Klammern). Die genannten Termine spiegeln lediglich Taxen wider, sie können je nach Bonität der Bank stark schwanken und abweichen.

Tagesgeld: -0,02 – 0,13 (0,05 – 0,10)
Wochengeld: 0,03 – 0,11 (0,03 – 0,13)
1-Monats-Geld: 0,04 – 0,13 (0,04 – 0,19)
2-Monats-Geld: 0,06 – 0,21 (0,09 – 0,24)
3-Monats-Geld: 0,05 – 0,22 (0,05 – 0,27)
6-Monats-Geld: 0,19 – 0,32 (0,10 – 0,35)
12-Monats-Geld: 0,35 – 0,50 (0,29 – 0,43)

Eurepo (Richtsatz für besicherte Kredite)
6-Monats-Geld: 0,080 (0,080)
12-Monats-Geld: 0,089 (0,089)

Euribor
3 Monate: 0,218 (0,218)
6 Monate: 0,319 (0,319)
12 Monate: 0,496 (0,497)

Montag Sonntag
(in Mio EUR)
Zentralbankguthaben (lfd. Durchschnitt): 232.021 232.288
Zentralbankguthaben (Tageswert): 230.686 231.888
Spitzenrefinanzierungsfazilität: 2 0
Einlagefazilität 48.698 43.861
Autonome Faktoren und SMP 315.927 319.574

Der Rauch nach dem ersten Crash hat sich gelegt. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit dümpelt die Internetwährung Bitcoins mittlerweile bei ungefähr 120 Dollar. Aber schon das ist eine Nachricht wert, denn genauer betrachtet ist sie rein gar nichts wert. Das unterscheidet das Internetgeld fundamental von anderen Bezahlmitteln. Während Gold auch nicht-monetär etwa als Schmuck eingesetzt werden kann und es für Papiergeld ein Stabilitätsversprechen vom Staat gibt, setzen Bitcoins nur auf das Vertrauen ihrer Nutzer. Sie glauben einfach, dass die digitale Währung irgendeinen Wert haben könnte.

Das Konzept hinter den Bitcoins entwickelte Satoshi Nakamoto. Wer sich hinter dem japanischen Pseudonym verbirgt, ist ungewiss. Nakamoto verschwand spurlos, nachdem das Konzept veröffentlicht wurde. Was die Bitcoins neben der mysteriösen Entstehungsgeschichte von anderen Währungen unterscheidet, ist die fehlende Kontrolle durch Politik, Banken oder andere Institutionen. Die Geldmenge kann nicht angehoben werden, die Währung nicht auf- oder abgewertet werden. Weder kann auf die Einlagen zugegriffen werden noch lassen sich Transaktionen untereinander verfolgen. An die Stelle der Geldpolitik ist ein Computeralgorithmus getreten, der höchstens bis zu 21 Millionen Bitcoins produzieren und nicht manipuliert werden kann.

Nicht-Verstehen des Konzeptes von Geld

Die Beliebtheit der Internet-Währung Bitcoins basiert vor allem auf einem fundamentalen Nicht-Verstehen des Konzeptes von Geld. Der oder die Erfinder von Bitcoins wünschen sich eine Währung, auf die der Mensch nicht zugreifen kann, weil er dazu neige, falsche Entscheidungen zu treffen. Der Wunsch ist verständlich in einer Zeit, in der die Notenbanken die Märkte mit Geld fluten und die Politik beschlossen hat, in Zypern auf Spareinlagen zuzugreifen. Die Erfinder und auch die Nutzer der Bitcoins glauben nun aber, Geld sei ein Naturkonzept und müsste daher starren Regeln unterworfen werden, die Menschen nicht manipulieren können.

Es gibt viele gute Gründe, Notenbanken und Politik zu misstrauen. Zu oft wurden Versprechen schon gebrochen. Geld ist aber vor allem eine soziale Erfindung und damit sollten Notenbanken auch die Möglichkeit haben, die Geldversorgung der Märkte zu beeinflussen. Die Lösung kann also nicht darin liegen, wegen einiger falscher Entscheidungen den Einfluss des Menschen auf Null zurückzufahren. Zu groß wären die Gefahren, die von einer mangelnden Kontrolle von Geld ausgehen.

Eine sogenannte Kryptowährung

Denn Bitcoins sind eine sogenannte Kryptowährung. Jede Überweisung ist verschlüsselt, die Teilnehmer untereinander quasi nicht zu identifizieren. Das hat unbestreitbare Vorteil, etwa für Dissidenten in einigen Ländern. So sollen Bitcoins im Iran und in China sehr beliebt sein. Aber nicht umsonst wird die Währung schon teilweise als Drogenwährung bezeichnet, denn die Verschlüsselung der Transaktionen können sich auch Drogen- und Waffenhändler zugute machen. Steuerhinterzieher könnten nie enttarnt werden, die Aufdeckung eines Falles Uli Hoeneß wäre quasi unmöglich.

Auch wenn die Währung selbst fälschungssicher ist, sind doch die virtuellen Geldbörsen der Nutzer anfällig für Hacker. Schlimmer noch: Einmal von Hackern entwendete Bitcoins können nicht mehr wiedererlangt werden. Die Verschlüsselung der Währung erlaubt zwar, die Bewegung des Geldes nachzuvollziehen, es ist aber unmöglich, den Kontoinhaber zu identifizieren. Daneben gibt es auf der ganzen Welt nur eine handvoll Läden, in denen mit Bitcoins bezahlt werden kann. Selbst im Internet sind es eher Nischenanwendungen, die Bitcoins akzeptieren.

Obwohl Banken beim Hauptrefinanzierungstender der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den ersten Blick weniger Geld nachgefragt haben als zuletzt, bleibt die Überschussliquidität am Geldmarkt einem Händler zufolge stabil. Nachgefragt wurden 90,6 Milliarden Euro, während 91,2 Milliarden Euro zur Rückzahlung fällig werden. „Die EZB hat einen theoretischen Geldbedarf der Banken von 66 Milliarden Euro errechnet“, sagt der Händler. Allerdings sei in dieser Zahl der Überschuss aus der Mindestreserve der Banken von rund 103 Milliarden Euro nicht enthalten. „Das führt dazu, dass nach wie vor rund 200 Milliarden Euro überschüssiges Geld am Markt sind“, errechnet der Händler.

Gegen 11.40 Uhr wurden am Euro-Geldmarkt folgende Sätze genannt (Angaben in Prozent, Werte vom Vortag in Klammern). Die genannten Termine spiegeln lediglich Taxen wider, sie können je nach Bonität der Bank stark schwanken und abweichen.

Dem Kongress läuft die Zeit zur Anhebung des Schuldenlimits davon, die Märkte werden immer nervöser. Die Ratingagentur Fitch droht deshalb mit der Aberkennung des „AAA“ der USA.

In Europa gab es die vage Hoffnung, am Mittwoch mit einer Einigung im Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze aufzuwachen. Doch diese Hoffnung wurde bitter enttäuscht. Am Dienstag gab es neue Rückschläge im Streit zwischen Republikanern und Demokraten um eine Anhebung des Schuldenlimits. „Es war ein absolut verlorener Tag“, erklärte eine CNN-Reporterin.

In einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit drohen die USA bereits am Donnerstag an ihre Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar zu stoßen. Die USA hätten dann nur noch rund 35 Milliarden Dollar Cash, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Sollte es das Schuldenlimit nicht angehoben werden, droht der Regierung nach Angaben von Finanzminister Jack Lew. Dann könnten die Ausgaben die laufenden Einnahmen übersteigen. Ein Szenario, dass die gesamte Weltwirtschaft mit in den Abgrund reißen könnte.

Auch an den Märkten wächst die Nervosität: Die Ratingagentur Fitch drohte den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Die Agentur setzte das begehrte „AAA“ oder „Triple-A“ unter Beobachtung. Die Aktienkurse und der Dollar gerieten daraufhin nach Börsenschluss in New York leicht unter Druck.

Dabei schien eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten am Dienstag in Reichweite. Ein geplantes Abkommen sah eine leichte Anhebung der Schuldengrenze vor, so dass die Regierung zumindest bis zum 7. Februar ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen könne. Das Abkommen sollte zudem ermöglichen, dass die seit dem 1. Oktober geschlossenen Bundesbehörden bald wieder öffnen könnten. Dass der „Government Shutdown“ nun schon den 16. Tag andauert, gerät angesichts des dramatischen Schuldenstreits in Vergessenheit.

Doch als ein Deal im Senat in Reichweite schien, meldete sich plötzlich die Republikaner im Repräsentantenhaus zu Wort. Sie wollten ein schärferes Gesetz zimmern – das aber dem erzkonservativen Flügel der Republikaner von der Tea Party immer noch nicht weit genug ging. Der Vorstoß fand keine Mehrheit im Lager. Der Ball liegt nun wieder im Senat. Die Parteispitzen in der Parlamentskammer erklärten, ihre Gespräche wieder aufgenommen zu haben. Doch auch einen Senatsbeschluss müsste das Repräsentantenhaus noch absegnen.
„Es ist sehr, sehr ernst“

Es ist sehr, sehr ernst“, zitierte die „New York Times“ den einflussreichen republikanischen Senator John McCain. „Die Republikaner müssen verstehen, dass wir diese Schlacht verloren haben.“

Möglicherweise könnte erst Freitag oder gar Samstag abgestimmt werden, schreibt die „New York Times“. Entscheidend sei, dass es zuvor eine Einigung gebe – um die Märkte zu beruhigen. Auch bei früheren Finanzstreits war erst nach Ablauf der Frist eine endgültige Lösung gefunden worden.