Category Archives: Geldanlagen

Den funkelnden Brillant lieber am Finger oder sicher im Banktresor? Wer sich für ein kostbares Schmuckstück entscheidet, sollte das weniger aus Anlagegründen machen. Zwar setzen die Menschen in Krisenzeiten gerne auf Sachwerte. Juweliere, Schmuck- und Uhrenhändler in Deutschland konnten vor zwei Jahren mit gut fünf Milliarden Euro einen Rekordumsatz verzeichnen. Doch unter Experten gilt ein Diamantencollier oder Brillantring nicht als Wertanlage im klassischen Sinne.

„Das ist mehr eine werthaltige Investition“, sagt Branchenverbandsgeschäftsführer Joachim Dünkelmann. Vor allem bei Erbstücken liege der emotionale Wert oft höher als der Wiederverkaufspreis. „Wir verkaufen Glücksgefühle, nicht Aktien.“
Dass Schmuck keine Wertsteigerung garantiert, darauf verweisen auch Verbraucherschützer. Der Wiederverkauf hänge von vielen Faktoren ab. Zu beachten sei, ob es sich um ein Sammlerstück handelt oder wie hoch der Materialwert eingeschätzt wird. „Und das Werturteil geben letztlich Juweliere oder Gutachter ab“, sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern.
Naturperlen sind stark nachgefragt

Wichtig seien Expertisen der führenden gemmologischen Institute, rät Nina Lindau-Thöne vom Kunstauktionshaus Van Ham in Köln. Schmuck werde meist aus emotionalen Gründen erworben. Für gängige Stücke werde bei Auktionen oft nur ein Viertel des ursprünglichen Verkaufspreises erzielt. Stark gefragt seien momentan Naturperlen sowie Diamantware im oberen Farb- und Reinheitsgrad. Als Wertanlage eigneten sich auch „feine Rubine und unbehandelte Saphire, aber einer guten Größe“.

Topmanager heuern Imageberater an, wenn sie ihren Ruf wieder aufpolieren wollen. Die Branche der Geschlossenen Fonds hat es mit einer Imagekampagne versucht. Mit der wirbt sie um die Gunst der Anleger, die ihr zusehends abhandenkommt. Sie lobt ihre Fonds als „das kleine Wirtschaftswunder“.

Das Wort „wundern“ träfe es allerdings in diesem Fall besser. Denn tatsächlich konnten sich viele Anleger nur wundern, was die Branche zuletzt so trieb. Sie übertraf andere Anlageformen mühelos in einem – im Verbreiten schlechter Nachrichten: Die Renditen sanken, die einstigen Steuervorteile sind längst perdu, und auf jährliche Ausschüttungen warten viele Anleger vergeblich. Viele Schiffsfonds gerieten in Schieflage, etliche davon fahren bereits volle Fahrt voraus in die Pleite, und es werden wohl noch einige folgen. Auch mit Filmbeteiligungen und Schrottimmobilien haben Anleger viel Geld versenkt. Soll man so einer Branche gutes Geld hinterherwerfen?

Viele Sparer tun das nicht mehr. Die Branche sammelte 2012 so wenig Geld ein wie noch nie, nur 4,5 Milliarden Euro. Selbst im Krisenjahr 2008 waren es mehr. Branchenkenner wie Florian Schoeller, Chef der Ratingagentur Scope, attestieren den Fonds inzwischen ein Glaubwürdigkeitsproblem, Analysten sprechen von Vertrauenskrise.
Risikoreiches Investment

Deshalb aber gleich die ganze Anlageklasse abzuschreiben wäre vorschnell. Zumal die Renditen zwar sinken, aber im Schnitt immer noch 5,3 Prozent pro Jahr drin sind – nach Steuern, bei guten Fonds. Manche Branchenbeobachter sehen die Schrumpfung des Marktes deshalb eher wohlwollend und sagen: Jetzt trenne sich die Spreu vom Weizen – sowohl bei Anbietern als auch bei Anlegern.

In der Vergangenheit nämlich brachten viele Initiatoren Fonds auf den Markt, die schlecht erdacht und noch schlechter gemanagt waren. Viele davon fuhren Verluste ein. Auch dubiose Anbieter mischten mit, bei denen man bezweifeln kann, ob sie je am Erfolg der Anleger orientiert waren.

Und obwohl geschlossene Fonds ein risikoreiches Investment sind, verkauften Banken und Vertriebe die Papiere als „sichere Beteiligungen“ massenhaft an Kleinsparer, sogar auf Kredit oder in Form von Sparplänen. Viele Anleger mussten später geleistete Ausschüttungen wieder zurückzahlen, die eingesparten Steuern nachzahlen oder sogar ihre gesamten Einlagen als Totalausfall abschreiben. Etliche Geprellte zogen deshalb vor Gericht. All das hat den schlechten Ruf der Branche zementiert.
Der Anleger wird zum Unternehmer

Einige Banken haben deshalb inzwischen den Vertrieb der Fonds eingestellt. Denn was viele Käufer nicht wissen: Mit den Beteiligungen gehen Sparer selbst ein unternehmerisches Risiko ein. Der Fondsinitiator realisiert ein bestimmtes Projekt, er finanziert etwa ein Flugzeug, kauft ein Bürohochhaus, baut eine Windkraftanlage oder schickt ein Containerschiff zur See, an dem die Anleger Miteigentümer werden. Anders als bei offenen Fonds, wo das Geld der Anleger als Sondervermögen geschützt ist, wird der Sparer bei geschlossenen Beteiligungen direkt an den Gewinnen und Verlusten beteiligt, die das Objekt einfährt. Wird das Hochhaus schlecht vermietet oder am Ende mit Verlust verkauft, verliert der Anteilseigner viel Geld. Hinzu kommt: Während der Laufzeit von mindestens sieben bis zehn Jahren kommen die Anleger nicht an ihr Geld, daher haben die geschlossenen Fonds ihren Namen. Sie müssen zudem mindestens 10.000 bis 20.000 Euro anlegen.

Die Bundesregierung hat nun für den bisher unregulierten grauen Markt ein Gesetz auf den Weg gebracht, das am 22. Juli in Kraft treten soll. Es soll vor allem Kleinsparer abhalten, viel Geld in geschlossene Beteiligungen zu investieren. Künftig dürfen Fonds, die etwa nur eine Immobilie finanzieren und deshalb besonders riskant sind, erst ab einer Stückelung von 20.000 Euro an Privatleute verkauft werden.
Verluste sind nicht selten

Ohnehin rät Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband, „nicht mehr als fünf Prozent des freien Vermögens in geschlossene Fonds zu investieren“. Wer also für 10.000 Euro eine Flugzeug- oder Immobilienbeteiligung kauft, sollte mindestens 200 000 Euro übrig haben, um den Komplettverlust der 10.000 Euro im schlimmsten Fall verkraften zu können.

Ganz selten sind Verluste nämlich nicht, listete der Branchenverband VGF in einer Leistungsbilanz von 799 Fonds über 40 Jahre auf. Demnach floppte immerhin jeder fünfte Fonds. Am besten schlugen sich Immobilienfonds, die zu 94 Prozent mit Erfolg liefen und im Schnitt auf einen Vermögenszuwachs von 73 Prozent über die Laufzeit kamen, rund sieben Prozent im Jahr.

“Solche Renditen gehören eher der Vergangenheit an“, sagt zwar Tilman Welther, Autor des Branchendienstes Fondstelegramm. Doch fünf Prozent Rendite seien für Anleger mit den Sachwertbeteiligungen drin, das sagt auch die Ratingagentur Scope. Bei den Immobilienbeteiligungen und der Windkraft sehen Analysten gute Chancen. Von den Flugzeugfonds schlagen sich einige gut, und selbst bei den Schiffsbetreibern geben noch einige Vollgas für den Anleger.

Vorab ein Geständnis: Ich spiele Lotto. Zwei Kästchen. Jeden Samstag. Was nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit natürlich Irrsinn ist. Aber wenn schon die Statistik hinter jeder Hecke eine unangenehme Überraschung für mich bereithält – jeder dritte Deutsche erkrankt an Krebs, jeder dreihundertste wird innerhalb eines Jahres Einbruchsopfer – dann will ich doch dem Zufall bei den schönen Dingen die Tür wenigstens einen kleinen Spalt öffnen. Und vielleicht nie wieder arbeiten und mich in Kommentaren bei SPIEGEL ONLINE beschimpfen lassen müssen!

Nie mehr arbeiten. Wer will das nicht? Ein US-Blogger macht jedenfalls derzeit mediale Karriere, weil er mit 30 in Rente gegangen ist: „Mr. Money Mustache“ lebt dank Sparsamkeit und guten Anlagen mit seiner Familie in seinem bezahlten Eigenheim und von 25.000 Dollar (knapp 20.000 Euro) jährlichen Mieteinnahmen. Und ist damit glücklich.

Was die Frage aufwirft: Wie viel Geld bräuchte man denn, um mit – sagen wir realistischer – 40 Jahren lebenslang einen jährlichen Zahlungsstrom von 20.000 Euro pro Jahr zu generieren wie Mr. Money Mustache? Damit ließe sich bescheiden auch in Deutschland leben (und falls Sie 100.000 brauchen, multiplizieren Sie die folgenden Summen entsprechend mit fünf).

Dreh- und Angelpunkt einer solchen Überlegung ist stets der risikofreie Zins: Im Schnitt magere 1,7 Prozent Rendite pro Jahr streicht ein, wer sein Geld in langlaufende deutsche Staatsanleihen steckt. Die rekordtiefen Zinsen sorgen dafür, dass zum einen erheblich mehr aufgewendet werden muss als noch vor gut zehn Jahren – und sie erfassen auch andere Anlageformen. Die Summen ähneln sich nämlich verdächtig.

Mit Bundesanleihen 39 Jahre lang jährlich 20.000 Euro generieren

Unterstellen wir modellhaft (und mit dem Wissen, dass sich Steuern, Abgaben und Zinsen natürlich auch dramatisch ändern können), dass ein 40 Jahre alter Mann, nennen wir ihn Herr Geldbart, eine durchschnittliche Lebenserwartung hat. Das sind mit 40 aus heutiger Sicht 79 Jahre. Lassen wir aus Gründen der Vereinfachung Zahlungen für und Leistungen aus Sozialversicherungen außen vor.

Das erlaubt, den Betrag zu ermitteln, den man braucht, um mit Bundesanleihen 39 Jahre lang jährlich 20.000 Euro zu generieren: Es sind 620.000 Euro – nach Steuern, aber ohne Berücksichtigung der Inflation. Unterstellen wir für die Teuerung zwei Prozent und ziehen in Betracht, dass Herr Geldbarts zinsenfinanzierte Rente so bis ins Alter mehr als die Hälfte an Kaufkraft verliert, muss er 900.000 Euro anlegen, um sich Jahr für Jahr zwei Prozent mehr zu gönnen. Das ist rund die Hälfte mehr als noch vor zehn Jahren vonnöten gewesen wäre.

Nun will Herr Geldbart womöglich nicht auf sein statistisch pünktliches Ableben pokern, sondern eine lebenslange Garantierente einstreichen. Tastet er sein Kapital nie an und will rein von Zinsen nach Abgeltungsteuer leben, braucht er bereits 1,6 Millionen Euro.

Naheliegender ist dann aber, mit einem Versicherer ins Geschäft zu kommen – mit sogenannten Sofortrentenversicherungen gegen eine Einmalzahlung. Doch auch die Assekuranz ächzt unter niedrigen Zinsen und garantiert nur noch 1,75 Prozent pro Jahr – vor Kosten. Um 20.000 Euro pro Jahr Garantierente einzustreichen, muss Herr Geldbart derzeit rund 750.000 Euro auf den Tisch legen (vor gut zehn Jahren war es halb so viel). Dafür stellen die Versicherer auch unverbindlich in Aussicht, etwas mehr als 20.000 Euro zu erwirtschaften – und verbindlich, lebenslang zu zahlen, selbst wenn Herr Geldbart so alt wird wie Jopi Heesters (und falls es die Versicherung dann noch gibt).

40 Jahre Geduld? Da sind Aktien eine veritable Alternative

Natürlich kann es Herr Geldbart auch machen wie Mr. Money Mustache und sein Einkommen aus Mieteinnahmen bestreiten. Damit steigen natürlich die Risiken, und es kommen unbekannte Variablen hinzu: Solvenz, Leerstand, Renovierung. Zieht man aber modellhaft die von der Bundesbank ermittelten aktuellen Großstadt-Mietrenditen von 4,1 Prozent für Bestandsimmobilien und 3,4 Prozent für Neubauten heran, subtrahiert ein halbes Prozent Instandhaltungskosten vom Kaufpreis pro Jahr für Neubauten und ein Prozent für Bestandimmobilien, so muss sich Herr Geldbart sich mit gut 650.000 Euro auf die Suche nach geeigneten Immobilien machen, um 20.000 Euro jährlich einzustreichen.

Gelegentliche Leser dieser Rubrik kennen meine Affinität zu Aktien – und mit 40 Jahren Geduld ist ein Auszahlplan aus Aktienvermögen auch eine veritable Alternative, falls Herr Geldbart über ordentliche Nerven verfügt. Gehen wir enorm pessimistisch davon aus, dass Herr Geldbart ein katastrophales Timing beweist und es unmittelbar nach seiner Einmalanlage in einen DAX-Indexfonds (aus dem er sich jährlich 20.000 Euro entnimmt) zu einem Crash kommt und sich die Kurse glatt halbieren.

Die S & K-Immobilienfirma warb Anleger mit einer wert­losen Tüv-Bescheinigung für ihre dubiosen Fonds. Der Tüv ließ S & K gewähren. Nun sind die Gründer von S & K in Haft. Ihnen wirft die Staats­anwalt­schaft Betrug vor. Und die Anleger bangen um ihr Geld.

Auf Kunden­fang mit dem Prüf­ergebnis vom Tüv

Ob Note, Siegel oder Bescheinigung – wenn sie vom Tüv kommen, wecken sie Vertrauen. Das wussten auch Stephan Schäfer (S) und Jonas Köller (K), Chefs der Frank­furter Immobilienfirma S & K. Sie beauftragten den Tüv Süd, ihnen den Wert ihrer Immobilien zu bescheinigen. Mit dem Prüf­ergebnis des Tüv schickten sie dann Vermittler auf Kunden­fang. Zahllose Anleger vertrauten dem Tüv-Prüfbe­richt, der S & K noch Ende August 2011 einen Immobilien­bestand mit einem Verkehrs­wert von mehr als 101 Millionen Euro bestätigte. Dass Tüv-Firmen wenig Glück bei der Bewertung von Geld­anlagen hatten, zeigte sich schon vor Jahren. Der Tüv Rhein­land stellte seine umstrittenen Beur­teilungen 2008, der Tüv Nord Ende 2009 ein.

Eine Chronik der Pleiten

Wie falsch die Bescheinigung des Tüv Süd war, dürfte Anlegern am 19. Februar 2013 geschwant haben. Im Rahmen einer bundes­weiten Groß­razzia wurden die S & K-Gründer Schäfer und Köller sowie die Geschäfts­führer von Firmen verhaftet, die mit S & K zusammen­gearbeitet hatten. Die Staats­anwalt­schaft wirft ihnen banden- und gewerbs­mäßigen Betrug vor. Zudem sollen Schäfer und Köller in Saus und Braus gelebt haben und dafür privat viel Anlegergeld auf den Kopf gehauen haben. Seit der Inhaftierung der S & K-Verantwort­lichen gehen Gesell­schaften, die mit S & K zu tun hatten, reihen­weise pleite die Chronik der Pleiten. Dazu gehören so bekannte Emissions­häuser wie die Deutsche Capital Management AG oder die SHB Inno­vative Fonds­konzepte. Auch sechs Immobilienfonds sowie das dazu­gehörige Emissions­haus United Investors sind insolvent. Weit über 100 Millionen Euro sollen Anleger in die Fonds einge­zahlt haben, bei denen nun vorläufige Insolvenz­verwalter prüfen, ob noch Vermögen vorhanden ist.

Anlegergeld auf den Kopf gehauen

Wahr­scheinlich ist das nicht, denn Fonds wie die Deutsche S & K Sach­werte und der Nach­folgefonds Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 investierten das Anlegergeld nicht direkt in Immobilien. Vielmehr gaben sie das Anlegergeld als Darlehen an das Emissions­haus United Investors weiter. Das wiederum reichte das Geld an S & K weiter. Schäfer und Köller nutzten das Geld für alles Mögliche. Unter anderem kauf­ten sie sich damit in Unternehmen ein, setzten dort Vertraute als Geschäfts­führer ein, um so an zusätzliche Barmittel zu kommen. Möglich wurde die Abzocke auch durch den vom Tüv Süd bescheinigten Verkehrs­wert des Immobilien­bestands der S & K-Gruppe.

„Da waren meine Zweifel weg“

„Ohne die Tüv-Bescheinigung“, sagt Peter Schulz* aus Potsdam, „hätte ich Ende 2012 niemals 25 000 Euro in den Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 der United Investors einge­zahlt.“ Die vom Vermittler der Euro Kontor aus Potsdam behauptete Auszahlung von 1 Prozent im Monat oder 12 Prozent pro Jahr, sei ihm auch für eine Immobilien­investition recht hoch vorgekommen. Doch der Vermittler habe ihm erklärt, dass S & K auf den Kauf von Immobilien weit unter Verkehrs­wert spezialisiert sei und deshalb viel höhere Rohgewinne als andere Immobilienfirmen erziele. Zum Beweis habe er die Tüv-Bescheinigung vorgelegt. „Da waren meine Zweifel vom Tisch gewischt“, sagt Schulz. „Bisher hielt ich den Tüv für hoch­seriös.“

Eine Stellung­nahme des Tüv Süd

Tatsäch­lich listete die Tüv Management Service GmbH An- und Verkaufs­preise der Immobilien schlicht auf der Grund­lage von Dokumenten auf, die S & K vorgelegt hatte. Ein Groß­teil der Wert­gut­achten wurde von einem Sach­verständigen abge­fasst, der jetzt in Unter­suchungs­haft sitzt. Was der Tüv für das Zusammenzählen der von S & K vorgelegten Zahlen kassierte, wollte er gegen­über Finanztest nicht mitteilen. Einsicht in die beiden Kriterienkataloge, die der Prüfung zugrunde liegen sollen, könne der Tüv nicht geben, weil er dem Auftrag­geber gegen­über zur Vertraulich­keit verpflichtet sei, erklärt Heidi Atzler von der Tüv Süd Unter­nehmens­kommunikation. Im Übrigen habe es sich um eine interne Bescheinigung gehandelt, bei der nach den Regeln des Kunden geprüft werde. S & K hätte damit nicht werben dürfen, verteidigt sich der Tüv.

Ein schlechtes Gewissen beim Tüv?

Ein schlechtes Gewissen hatte man beim Tüv aber wohl doch. In den Monaten vor der Inhaftierung der S & K-Bosse habe es „nach­drück­liche Gespräche“ gegeben, um die Anlegerwerbung mit dem Tüv-Papier zu stoppen. Leider habe das Thema nicht zufrieden­stellend geklärt werden können. Konsequentes Einschreiten gegen unerlaubte Werbung mit einer Tüv-Bescheinigung, die zudem noch als falsch erkannt ist, sieht anders aus. Schulz hat den Fall an Rechts­anwalt Jochen Resch aus Berlin übergeben. Der prüft, ob er den Tüv für den Schaden von Schulz haft­bar machen kann.

Seit Monaten geistern einige fragwürdige Argumente durch die Medien. Etwa so: Die amerikanische Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Folglich seien steigende Zinsen nur noch eine Frage der Zeit, womit die Attraktivität des zinslosen Goldes abnehme. Oder so: Die amerikanischen Aktienkurse eilen von Rekord zu Rekord. Das ist ein Zeichen dafür, dass Anleger Vertrauen in die Wirtschaft fassen, und impliziert, dass Gold als Krisenmetall die besten Zeiten hinter sich hat. Oder so: Der Goldpreis ist zuletzt stark gefallen. Das deutet darauf hin, dass wir uns um die Inflation keine Sorgen zu machen brauchen, denn der Goldpreis ist ein Inflationsindikator.

Das erste Argument stammt sinngemäß unter anderem von der US-Investmentbank Goldman Sachs aus diesem Februar. Steigende Zinsen mögen ja alles auslösen, was die Phantasie hergibt, aber weniger Attraktivität des zinslosen Goldes? Drehen wir den Spieß doch einfach um: Falls die Zinsen steigen, fallen die Kurse der bereits emittierten Anleihen und später wahrscheinlich auch die Aktienkurse. Eine der Folgen dürfte dann das dadurch ausgelöste Chaos an den Finanzmärkten sein, denn für die seit Jahren an sehr großzügige Geldspritzen gewöhnten Amerikaner würde der Zinsanstieg einen Schock auslösen. Gold als sicherer Hafen könnte in diesem Fall durchaus an Attraktivität gewinnen.

Das zweite Argument geht davon aus, dass steigende Aktienkurse und Goldpreise Gegensätze bilden. Das ist zeitweise sicher der Fall, gilt jedoch nicht immer, besonders nicht seit der Jahrtausendwende. So stiegen die Aktienkurse weltweit von 2003 bis 2007, während der Goldpreis, der seinen Anstieg 2001 begonnen hatte, von 2003 bis 2007 weiter anzog. 2008/09 ging es dann mit Aktien und Gold im Zuge der internationalen Finanzkrise gemeinsam abwärts.

Das dritte Argument besticht durch seine Einfachheit. Doch genau die ist hier fehl am Platz, weil es sich bei der Inflation um ein komplexes Gebilde handelt: Ausweitung der Geldmenge, Asset Inflation (Anstieg der Aktien- und Anleihenkurse, der Immobilien- und Edelmetallpreise usw.), steigende Verbraucherpreise, Lohn-Preis-Spirale, gefühlte Inflation und Inflationserwartungen – um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. Gold als Indikator für welche von diesen Spielarten der Inflation? Diese Frage lässt sich kaum schlüssig beantworten.

Eines steht allerdings fest: „Wenn Zentralbanken anfangen, Schulden zu kaufen, werden sie irgendwo auf diesem Weg Inflation produzieren.“ Dieser Satz stammt von der angesehenen Harvard-Volkswirtin Carmen Reinhart aus einem Spiegel-Interview vom 8. April. Der Schuldenkauf durch die US-Notenbank ist ja schon in vollem Gang. Die Bank von Japan befindet sich gerade auf dem Weg, ihr amerikanisches Vorbild zu übertrumpfen. Und der Europäischen Zentralbank wird nichts anderes übrig bleiben, als ihre Versuche in diese Richtung verstärkt fortzusetzen. Oder wie der erfahrene Vermögensverwalter Jens Ehrhardt in einem Interview für boerse.ARD.de behauptet: „Wenn die EZB den Euro weiter erhalten will, muss sie schwere Geschütze auffahren. Sie muss massiv Geld drucken, genauso wie die Fed in den USA.“

Wie ich hier vor drei Wochen darzulegen versucht habe, betreten die Zentralbanken damit Neuland. Das heißt, sie setzen schwere Geschütze ein in der Hoffnung, dass niemand von einem Querschläger getroffen wird und dass sie das Feuer zur richtigen Zeit wieder einstellen. Wie Letzteres geschehen soll, ob unter Führung der USA, in einer fein abgestimmten Gemeinschaftsaktion der großen Zentralbanken oder jede von ihnen für sich, steht heute ebenso wenig fest wie das Ausmaß der Kollateralschäden, etwa Kursstürze, Kapitalverkehrskontrollen oder sogar Währungskriege.

Dass man sich als Anleger davor schützen muss, indem man auf verschiedene Anlagen mit dem Schwerpunkt auf Sachwerten setzt, zieht sich ja seit vielen Monaten wie ein roter Faden durch meine Kolumnen. Trotzdem möchte ich dieses Thema heute noch einmal von einer anderen, eher grundsätzlichen Seite aufgreifen, denn die Anlagen haben verschiedene Eigenschaften. Das heißt, ihr Preisniveau, ihre Chancen und Risiken, ihre Liquidierbarkeit und – aus aktuellem Anlass von besonderer Bedeutung – ihr Schutz vor den Eingriffen des Staats unterscheiden sich gewaltig. Dazu drei Beispiele:

Gold, zum Teil auch Silber, übt nach wie vor seine Funktion als sicherer Hafen bzw. als ultimativer Schutz vor der Geldentwertung aus, vorausgesetzt, Sie verwahren es in Ihrem heimischen Safe oder an einer sonstigen sicheren Stelle. Gold- und Silberaktien gehören einerseits der Edelmetall-, andererseits der Aktienkategorie an: Die Erschließung von Minen erfordert Investitionen ähnlich wie der Bau von Autos oder der Betrieb von Kraftwerken. Die Erträge der Gold- und Silberunternehmen hängen von den Preisen der Edelmetalle ab; und im Gegensatz zu Auto- oder Stromkonzernen, die weitgehend ihre eigene Preispolitik betreiben, sind Minen auf die Marktpreise angewiesen. Nicht zuletzt daraus ergeben sich die starken Kursschwankungen ihrer Aktien.

Zum Thema Aktien generell ist aus aktuellem Anlass zu sagen: Die ständigen Aussagen über ihre Alternativlosigkeit gehen mir auf die Nerven, zumal dann, wenn die im Vergleich zu anderen Anlagen hohe Dividendenrendite hervorgekehrt wird. Aktien sind wunderbare Anlagen, wenn man sie zu niedrigen Kursen kauft und zu hohen wieder verkauft. Ihre leichte Liquidierbarkeit unterscheidet sie wohltuend von Immobilien, und die Spekulation mit Aktien kann unter den genannten Voraussetzungen viel Spaß machen. Doch wehe, wenn man auf die falschen setzt oder wenn das Timing einfach nicht stimmen will, was ja recht häufig vorkommt – dann kann es regelmäßig zu Gefühlswallungen kommen. Wer sich daran nicht stört und Anlagefehler auf dem Konto Erfahrung verbucht, kann im Lauf der Jahre zu einem erfolgreichen Spekulanten heranreifen. Dividenden sind dann quasi nur noch wie Boni, die man nebenbei gern mitnimmt.

Immobilien mit dem Schwerpunkt Wohnen gelten unter recht vielen Anlegern seit etwa zwei Jahren als wahre Wunderanlagen: Mietrenditen zwischen 4 und 6 Prozent, obendrein Preisanstieg, und wenn man Makler reden hört, ist der Inflationsschutz offenbar automatisch eingebaut. Gegenargumente fallen da nicht schwer: Mietrenditen zerbröseln nicht nur mit Reparaturen, Mietminderungen und Mieterwechseln, sondern auch mit der Entfernung zum nächsten Ballungsgebiet. Der Preisanstieg findet vor allem in Metropolen, Universitäts- und sonstigen interessanten Städten statt; für den Inflationsschutz gilt im Prinzip dasselbe. Immobilien für den Eigenbedarf kommen zwar infrage, aber auch für sie fallen Reparaturen an, und ihr Standort ist ebenfalls ein wichtiger Wertfaktor. Eines verbindet alle Immobilien: Sie lassen sich im Gegensatz zu Edelmetallen und Aktien nicht mal eben liquidieren.

Fazit: Legen Sie Ihr Geld nach den hier genannten Kriterien an, planen Sie den Einsatz abgestimmt auf Ihre ganz persönlichen Bedürfnisse – und lassen Sie sich nicht nervös machen, wenn irgendwelche finsteren Mächte den Goldpreis zu Fall zu bringen versuchen, denn es wird ihnen nicht auf Dauer gelingen.

Seit Juni 2012 befindet sich die Aktie des Börsenbetreibers in einem Aufwärtstrend. Nun steht laut Charttechnik eine wichtige Weichenstellung für die nächsten Monate an. Welche Produkte sich für die Szenarien eignen.

Die Aktie der Deutsche Börse ist derzeit  aus charttechnischer Sicht ein interessantes Wertpapier. Das Papier notiert nämlich auf einer sogenannten Kreuzunterstützung. Diese Form der Unterstützung wird aus zwei verschiedenen Widerstandslinien gebildet.

Die horizontale Widerstandslinie im Bereich von 46 Euro hat die Aktie seit Anfang des Jahres mehrmals getestet. Bislang ist der Chart stets nach oben abgeprallt. „Und diesem Niveau von 46 Euro nähert sich von unten auch die Aufwärtstrendlinie, womit dieser Bereich zu einer Kreuzunterstützung wird“, erläutert Charttechniker Hans-Dieter Schulz, der den Dax-Wert analysiert hat. Die Aktie befindet sich seit Juni letzten Jahres in einer Aufwärtsbewegung, in deren Verlauf sich ein Trendkanal gebildet hat.

Für Schulz gibt es zwei  Szenarien: Dreht die Aktie der Deutschen Börse nun im Bereich der wichtigen Unterstützung nach oben, winkt ein neuer Test des Widerstands bei 51 bis 52 Euro. Für diese Möglichkeit bietet sich eine Vielzahl an Produkten an.

Für offensive Anleger sind Sprint- und Outperformance-Zertifikate eine gute Chance. Diese hebeln Gewinne ab einer vorher festgelegten Marke, die Verluste darunter sind aber nicht höher als bei einem Direktinvestment.  Der Hebel bei dem Outperformanceprodukt der DZ Bank (WKN: DZ89QU) liegt bei 1,5. Startpunkt (Strike) ist die 46-Euro-Marke, Laufzeit bis 28 Juni 2013. Ähnlich sind die Konditionen bei dem Sprinter der DZ Bank (WKN: DZ89S0), der eine identische Laufzeit hat. Nur werden hier Kurssteigerungen innerhalb der Spanne 46 bis 56 verdoppelt. Von weiteren Gewinnen profitieren die Anleger aber nicht mehr.

 

Die Gläubiger des europäischen Arms der untergegangenen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers können auf eine vollständige Rückzahlung ihres Geldes hoffen. In den vergangenen sechs Monaten habe es eine Reihe juristischer Erfolge gegeben, teilte die als Verwalterin eingesetzte Wirtschaftsberatungsgesellschaft PwC am Montag in London mit.

Tony Lomas, Chef des Lehman-Verwalterteams bei PwC bezeichnete die Entwicklung als „signifikanten Meilenstein“. Während die Forderungen von anderen untergegangenen Lehman-Gesellschaften etwa in den Vereinigten Staaten, der Schweiz und Luxemburg abgestuft wurden, sei die Lehman Brothers International Europe (LBIE) in der Rangfolge nach oben geklettert. Die Insolvenzverfahren laufen großenteils getrennt voneinander.

Schon rund 16 Milliarden Euro an Gläubiger ausgeschüttet

Lehman Brothers war im September 2008 wegen missglückter Spekulationen auf dem amerikanischen Häusermarkt zusammengebrochen. Die Insolvenz gilt als Höhepunkt der Finanzkrise. Es sei noch viel zu tun, bis es zur endgültigen Abwicklung kommen könne, sagte Lomas. „Aber wir gehen davon aus, dass wir in nächster Zukunft eine zweite, beachtliche Dividende an die Gläubiger auszahlen können, was uns unserem neuen Ziel einen weiteren Schritt näher bringen wird“, sagte Lomas. Seit dem Start des Abwicklungsprozesses seien bereits 13,6 Milliarden Pfund (15,95 Milliarden Euro) an die Gläubiger ausgeschüttet worden. Durch juristische Einigungen in der Vergangenheit gebe es Anlass für Optimismus, noch in diesem Jahr weitere 9,1 Milliarden Dollar (6,97 Milliarden Euro) auszahlen zu können.

Lehman-Gläubiger in Australien kommen dagegen schlechter weg – sie sollen nur 45 Prozent ihrer Einlagen zurückerhalten, dies aber auch nur dann, wenn sie ihre Klagen gegen Lehman zurücknehmen. Lehman Australien verfügt noch über Vermögenswerte in Höhe von 300 Millionen australische Dollars (240 Millionen Euro). Sie sollen unter den Gläubigern aufgeteilt werden, zu denen auch 70 Gemeindeverwaltungen, Kirchen und Wohltätigkeitsorganisationen gehören.

Luxemburg gilt wegen seines Bankgeheimnisses als EU-Steuerparadies. Doch nun reagiert das Land auf die Offshore-Enthüllungen. Künftig will es enger mit ausländischen Steuerbehörden zusammenarbeiten.

Luxemburg ist bereit, sein Bankgeheimnis zu lockern. „Wir wollen eine verstärkte Zusammenarbeit mit den ausländischen Steuerbehörden“, sagte Finanzminister Luc Frieden der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Der internationale Trend gehe zu einem automatischen Informationsaustausch. „Den lehnen wir, anders als früher, nicht mehr strikt ab“, so der Minister. „Luxemburg baut nicht auf Kunden, die Steuern sparen wollen.“

Das Bankgeheimnis in Luxemburg wird von vielen anderen Staaten äußerst kritisch gesehen, weil es ihnen zufolge Steuerhinterziehung begünstigt. So hat Luxemburg bislang etwa EU-Regeln zum automatischen Informationsaustausch bei der Zinsbesteuerung blockiert, um sein für Anleger vorteilhaftes Bankgeheimnis zu schützen. Damit würden auch deutsche Steuersünder in Bedrängnis geraten, die in Luxemburg ihr Geld vor dem Fiskus verstecken. Bisher schützt sie eine anonyme Quellensteuer von 35 Prozent der Zinserträge, die den Angaben zufolge zum großen Teil nach Deutschland überwiesen wird, ohne den Namen zu nennen.

Superreich dank Finanzsektor

Der Finanzsektor hat das einst von Schwerindustrie und Landwirtschaft geprägte Luxemburg wohlhabend gemacht: Die pro Kopf erbrachte Wirtschaftsleistung in dem Staat mit einer gut halben Million Einwohnern ist eine der höchsten der Welt.

Auch die Schweiz reagiert auf die Enthüllungen der so genannten Offshore-Leaks: Zwei Schweizer Banken verlangen von ihren deutschen Kunden jetzt Beweise, dass diese ihre Konten auch tatsächlich beim Fiskus gemeldet haben. Ein Sprecher der Credit Suisse bestätigte der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), dass die Kunden informiert worden seien und ihre Konten bei Zuwiderhandlung gesperrt würden. Das Geldhaus Julius Bär teilte über einen Sprecher mit, dass es einen solchen Schritt schon im Februar nach dem Scheitern des Steuerabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz angekündigt habe.

Banken ermutigen ihre Kunden zur Offenheit

Über die Aufforderung hatten zuvor die beiden Schweizer Zeitungen „Tages-Anzeiger“ und „Der Bund“ berichtet. Sie betrifft nicht nur kürzlich eröffnete Konten und Geldanlagen, sondern auch jene, die schon seit Jahrzehnten bestehen. Die größte Schweizer Bank UBS ließ die SDA über einen Sprecher wissen, dass sie ihre Kunden schon seit langem dazu ermutige, „ihre finanzielle Situation falls nötig zu regeln“. Ein Ultimatum für die Vorlage entsprechender Beweisdokumente sei aber nicht angedacht.

Das Thema Steuerhinterziehung sorgt dieser Tage unter dem Schlagwort „Offshore-Leaks“ für weltweite Schlagzeilen und versetzt die Finanzwelt in Aufruhr. Die „Süddeutsche Zeitung“, der NDR und ausländische Medien hatten erstmals über einen Datensatz berichtet, der 130.000 mutmaßliche Steuersünder aus mehr als 170 Ländern enttarnt. Sie sollen geheime Geschäfte mit Offshore-Firmen in einschlägigen Steueroasen gemacht haben. Kreditinstitute wie die Deutsche Bank sollen ihnen laut „SZ“ dabei behilflich gewesen sein.

Es ist ein großer Schlag gegen den weltweiten Steuerbetrug: Journalisten aus aller Welt haben Millionen Dokumente ausgewertet und dabei 130.000 Steuerbetrüger enttarnt.

Ein internationales Journalistennetzwerk hat einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugespielt bekommen. Die Dokumente belegen nach Angaben mehrerer Medien, wie Reiche und Kriminelle mithilfe von Briefkastenfirmen, Offshore-Konten und anderen Mitteln wie sogenannten Trusts ihre Vermögen verstecken und zweifelhafte Geschäfte abwickeln.

Das Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) hatte die Datenmenge von rund 260 Gigabyte vor über einem Jahr von einer anonymen Quelle erhalten und internationalen Medien zur Auswertung gegeben. In Deutschland erhielten der Norddeutsche Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung Zugang zu den 2,5 Millionen Dokumenten, die aus zehn Steueroasen stammen sollen. Quelle sollen zwei Firmen sein, die auf die Konstruktion von Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Die Dokumente enthalten dem ICIJ zufolge Daten von 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern, darunter Politiker, Unternehmer, Oligarchen, Waffenhändler und Spekulanten. Ein Insider spricht nach Angaben der Süddeutschen Zeitung von dem „bislang größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft“.

Enthüllt wurden durch die Recherchen unter anderem die Praktiken von griechischen Steuerflüchtlingen, die etwa 107 Offshore-Firmen auf den britischen Jungferninseln betreiben sollen, von denen aber nur vier gemeldet seien, berichtete Spiegel Online unter Berufung auf das ICIJ. Ein anderes Beispiel ist dem NDR zufolge die Portcullis TrustNet Group, die als Dienstleister auf Offshore-Firmen spezialisiert sei und zu deren Kunden Simbabwes Diktator Robert Mugabe und die Familie des verstorbenen indonesischen Diktators Haji Mohamed Suharto gehörten.

Hollandes Wahlkampfmanager

Nach Informationen der SZ besitzt der Wahlkampfmanager von Frankreichs Präsident François Hollande ebenfalls zwei Briefkastenfirmen – auf den Cayman Islands. Jean-Jacques Augier bestritt gegenüber dem Blatt allerdings, damit illegale Geschäfte zu betreiben.

Weitere Fälle finden sich dem ICIJ zufolge in Russland: Neben Oligarchen soll dort die Frau des Vizeregierungschefs Igor Schuwalov sowie Topmanager von Gazprom Geld in Steueroasen versteckt haben. Die SZ berichtet zudem über dubiose Geschäfte der Töchter des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev oder den Trust des bekannten kanadischen Anwalts Tony Merchant auf den Cook-Inseln. Auch die Tochter des früheren philippinischen Diktators Ferdinand Marcos, Imee Marcos, soll dem Bericht zufolge einen Trust auf den Jungferninseln unterhalten. Dort könnten Teile des Milliardenvermögens von Marcos sein, das er in den achtziger Jahren aus dem Land geschafft habe.

In Deutschland wurden unter anderem die Geschäfte des 2011 verstorbenen Millionenerben und früheren Playboys Gunter Sachs enttarnt. Der Industriellenerbe legte den Recherchen der SZ, des NDR und der Schweizer Sonntagszeitung zufolge vor seinem Tod sein Vermögen in Steueroasen an und gab es bei den Finanzämtern nicht vollständig an. Seine Nachlassverwalter wiesen dies gegenüber der SZ zurück. Die betroffenen Firmen seien den Steuerbehörden „schon zu Lebzeiten von Herrn Sachs“ offengelegt worden.

Die Landesbank Berlin bringt ein Zertifikat, das bei Kursrückgängen in den Geldmarkt flüchtet. Das hilft jedoch nicht immer. Denn hinter der Notfall-Umschichte steckt eine simple mathematische Regel.

Ich will besser sein als der Dax! Dieses Ziel verfolgen neben Fondsmanagern und Vermögensverwaltern auch viele Privatanleger. Vermeintliche Erfolgsstrategien gibt es wie Sand am Meer. Doch nur wenigen Ansätzen gelingt es, nachhaltig eine bessere Performance als der deutsche Leitindex zu erzielen. Ein mit Blick auf die historischen Daten sehr vielversprechendes Modell hat vor wenigen Jahren die WestLB entwickelt und 2010 folgerichtig auch ein entsprechendes Anlageprodukt aufgelegt.

Nach der Übernahme des Zertifikatgeschäfts der Düsseldorfer durch die Helaba wird das „Strategie-Index-Zertifikat“ aber nicht mehr aktiv zum Kauf angeboten. Kunden, die das Papier im Depot haben, können es noch bis September über die Börse veräußern. Danach wird der Handel des bereits gekündigten Zertifikats komplett eingestellt (WKN: WLB8CZ).

Aus diesem Grund haben die Kollegen der Landesbank Berlin die Idee nun aufgegriffen und als „Dax-Strategie“-Zertifikat in ihr Produktportfolio aufgenommen. Ein Tausch oder auch Neuinvestments sind während der Zeichnungsfrist bis zum 27. März und danach im normalen Handel möglich.

beim alten wie auch beim neuen Produkt entweder in den Dax investiert oder zum aktuellen Geldmarktsatz (Eonia) verzinst. Als Basis dieser Strategie dient das ebenso vertraute wie psychologisch oft schwer umzusetzende Erfolgsrezept „Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen“. Konkret wird das Kapital jedes Jahr zum 1. April und zum 1. Oktober komplett in den Dax-Future gesteckt.

Kursplus im zweiten und vierten Quartal

Diese Termine beruhen auf der Erfahrung, dass das zweite und das vierte Quartal historisch betrachtet die durchschnittlich besten Ergebnisse liefern. „Dies lässt sich zum einen auf die Reinvestition der Dividenden im zweiten Quartal zurückführen und zum anderen auf die traditionelle Jahresendrallye, in der viel Kapital seinen Weg in den Markt findet“, sagt Dirk Winkler von der Landesbank Berlin.

Sobald der Dax ausgehend von dem an diesen beiden Terminen festgelegten Referenzwert mehr als acht Prozent verliert, erfolgt zum Schlusskurs des Folgetages automatisch eine Umschichtung in den Geldmarkt. Das Kapital wird dann zum EONIA-Satz verzinst, der aktuell allerdings weniger als 0,1 Prozent pro Jahr beträgt. In dieser Phase geht es aber auch weniger ums Geldverdienen als vielmehr darum, dass die Anleger durch den frühzeitigen Ausstieg vor stärkeren Rückschlägen geschützt werden.

Die gewählte Stop-Loss-Marke resultiert aus diversen Rückrechnungen, bei denen eine Absturz-Höhe von eben diesen acht Prozent im historischen Vergleich die besten Resultate erzielte. Erst wenn der Dax seinen Referenzwert wieder überschritten hat (oder einer der beiden oben genannten Termine erreicht wird), wandert das Geld zurück in den Dax-Future. Den Aufwand zur Überprüfung der Strategieregeln lässt sich die Emittentin allerdings gut bezahlen – mit einer jährlichen Gebühr von 1,3 Prozent. Hinzu kommen Transaktionskosten für den jeweiligen Kauf oder Verkauf der Dax-Future-Kontrakte (WKN: LBB0J9). Wer einsteigt, muss also auf möglichst klare Markttrends hoffen.

Die Vergangenheit wiederholt sich selten

Dass diese doch recht einfache Strategie tatsächlich einen erheblichen Mehrwert bringen kann, zeigen langfristige historische Daten. Seit 1988 hätten Anleger eine jährliche Rendite von 13 Prozent (vor Kosten) erzielt. Der Dax hingegen konnte im selben Zeitraum lediglich 8,5 Prozent pro Jahr zulegen. Absolut betrachtet lesen sich die Unterschiede noch viel bemerkenswerter. Hier steht ein Plus von über 2100 Prozent bei der Strategie einem Dax-Plus von „nur“ 760 Prozent gegenüber.

Euphorie ist trotz dieser beeindruckenden Zahlen jedoch fehl am Platz. Schließlich werden die Anlageregeln bei solchen Strategien immer so ausgewählt, dass sie in der Vergangenheit möglichst gute Ergebnisse geliefert hätten. Eine Garantie für die erfolgreiche Fortsetzung in der Zukunft beinhaltet das nicht. Und so fällt die bisherige Bilanz des gekündigten Zertifikats der WestLB auch nur durchschnittlich aus.

Seit Auflegung im April 2010 haben Investoren zwar rund 28 Prozent gewonnen. Der Dax hat im selben Zeitraum mit einem Plus von knapp 30 Prozent aber noch leicht besser abgeschnitten. Absolut betrachtet war das Ergebnis damit allenfalls zufriedenstellend. Das Ziel, besser als der Dax zu sein, wurde allerdings verfehlt. Denn der Markt unterliegt eben doch noch anderen Gesetzen und hält sich nicht immer an statistisch erzeugte Zeitfenster.

Dabei schien sich die Erfolgsgeschichte zuerst tatsächlich fortzusetzen. Während des Crashs im Spätsommer 2011 gelang dem Zertifikat durch den schnellen Wechsel in den Geldmarkt eine deutliche Outperformance. Dieser Vorsprung wurde Mitte des vergangenen Jahres aber komplett wieder eingebüßt. Der Index galoppierte einfach davon.