Monthly Archives: April 2015

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Mancher, der in den letzten Jahren promoviert hat, fragte sich, ob das eigentlich eine gute Entscheidung war. Nicht nur, weil die Qualen, ein dickes Buch mit Tausenden Fußnoten zu verfassen, einfach enorm sind, das Sozialleben ebenso leidet wie Figur und Teint. Nein, was einmal Garant für die Anerkennung der Mitmenschen war, hat nach den Skandalen von Guttenberg und Co. doch an Nimbus eingebüßt. Immer häufiger ist seither von selbst ernannten Experten zu hören, dass man für dieses oder jenes Metier heute eh keinen Titel mehr benötige, um Erfolg zu haben.

Es bleibt allerdings die Frage, wie sich Erfolg bemisst. In konkretem Einkommen ausgedrückt, garantiert der Doktortitel laut einer Untersuchung des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung an der Universität Kassel am ehesten das große Geld. Eineinhalb Jahre nach ihrer Promotion verdienen Promovierte im Schnitt knapp 40 Prozent mehr als Absolventen mit einem Master. Ihr Einkommen liegt bei 4357 Euro. Master-Absolventen verfügen dagegen über 3144 Euro. Wer nur einen Bachelor hat, über 2632 Euro.

Der Vergleich mit Bachelor und Master ist deshalb interessant, weil es den Masterabschluss ja noch gar nicht so lange gibt. Standard geworden ist er erst seit den großen Reformen an den Universitäten im Zuge des Bologna-Prozesses. Erst seit wenigen Jahren schließt der Großteil der Studenten mit einem Master ab, vorher waren das Magister oder Diplom. Offenbar haben die jüngeren Skandale um plagiierte Dissertationen zwar die Reputation des Doktortitels beschädigt, nicht aber signifikant den Verdienst.

Arbeitslosigkeit ist nahezu unbekannt

Auch in puncto Beschäftigungsquote können Promovierte sonstige Akademiker ausstechen. Liegt die generelle Akademiker-Arbeitslosigkeit bei drei Prozent, so sind es unter den Promovierten nur zwei. Fast könnte man annehmen, dass die, die nix tun, sich das auch so ausgesucht haben.

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich die berufliche Situation der promovierten Absolventinnen und Absolventen im Vergleich zu Absolventinnen und Absolventen ohne Promotion eindeutig besser darstellt“, so Choni Flöther, Autorin der Studie. „Erwerbslosigkeit ist eine Ausnahme, und prekäre Beschäftigungsverhältnisse kommen – auch im Hochschulsektor – mit Promotion weniger häufig vor als ohne.“

Für die Studie wurden 1266 Promovierte eineinhalb Jahre nach ihrem Abschluss befragt. Darüber hinaus beteiligten sich rund 70.000 Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen mit Bachelor, Master und anderen Abschlüssen.

Viel Geld gibt’s eher außerhalb der Unis

Eine schlechte Nachricht hat die Studie allerdings für jene parat, die ihre Promotion als Ausgangspunkt für eine wissenschaftliche Karriere sehen. Zumindest wenn es ihnen neben Erkenntnis auch um einen dicken Geldbeutel geht. Denn in der freien Wirtschaft verdienen Promovierte einfach mehr, und zwar viel mehr.

Im Schnitt haben sie dort ein monatliches Einkommen von 4722 Euro. In Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind es dagegen nur 3340 Euro. Grund ist, dass auch in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen meist die Tarife des öffentlichen Dienstes gezahlt werden. Noch deutlicher fällt der Unterschied aus, wenn man sich einzelne Fächergruppen ansieht. Sprach- und Kulturwissenschaftler gehen in der Privatwirtschaft mit 3841 Euro im Monat nach Hause. Hochschulbeschäftigte mit 1300 Euro weniger. Maschinenbauer verfügen außerhalb der Unis und FHs im Schnitt über 5496 Euro, innerhalb nur über 3792 Euro.