Monthly Archives: März 2014

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Am Frankfurter Flughafen blieben heute die Hallen leer. Viele Fluggäste hatten offenbar umgebucht oder waren auf die Bahn umgestiegen. 550 Flüge wurden bis zum Streikende um 14.30 Uhr annulliert. Vor allem Lufthansa war betroffen, die Airline hatte bereits am Mittwoch jeden dritten ihrer geplanten 1800 Flüge abgesagt. Innerdeutsche und europäische Ziele wurden bis zum Nachmittag von Frankfurt aus gar nicht angeflogen. Auch Interkont-Verbindungen fielen aus. In Frankfurt hatten sich besonders viele Mitarbeiter am Ausstand beteiligt.

Im Zuge des Tarifkonflikts im öffentlichen Dienst hatte Verdi zu Warnstreiks an sieben großen deutschen Flughäfen aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert 3,5 Prozent mehr Gehalt plus eine einmalige Zahlung von 100 Euro. Am Montag gehen die Verhandlungen weiter. Der Streik an den Flughäfen war in der Reisebranche stark kritisiert worden.

Facebook-Cheffe Zuckerberg ist wieder auf Shopping-Tour: Nach dem Kauf von „WhatsApp“ sichert sich Facebook jetzt das per Kickstarter ins Leben gerufene Oculus Rift samt der dahinterstehenden Firma Oculus VR.

Mit 2,3 Milliarden Dollar ist Zuckerberg diesmal sogar recht günstig davongekommen, immerhin gehen Experten tatsächlich davon aus, dass die Virtual Reality Brille Oculus Rift das „nächste, große Ding“ im Erleben virtueller Welten wird. Videospieler vergleichen den Schritt gerne mit dem Erscheinen der ersten PlayStation, oder dem ersten dreidimensionalen Jump’n’run Super Mario 64. Kurz: Ein deutlicher „Aha!“-Effekt, welcher sich in der immer schneller entwickelnden Branche in den letzten Jahren etwas rar gemacht hatte.

Das Oculus Rift wird dabei als übergroße „Brille“ über den Kopf gespannt. Das ehrgeizige Projekt wurde durch stolze 2,4 Millionen Dollar im Crowdfunding-Service Kickstarter bezuschusst, während die dahinterstehende Firma Oculus VR selbst insgesamt 91 Millionen Dollar aufbrachte, um den Traum von Virtual Reality zu verwirklichen. Das Projekt war über die letzten zwei Jahre großes Thema innerhalb der Videospiel-Community. Niemand geringeres als John Carmack (id Software, „Doom“) wurde zuletzt als Chef der technologischen Entwicklung angeheuert.

Die neue Chefin der US-Notenbank (Fed), Janet Yellen, hat ein Signal für die künftige Geldpolitik gegeben. Die Anleihekäufe der Fed könnten im Herbst auslaufen, etwa sechs Monate später könnten zudem erstmals seit 2008 die Leitzinsen erhöht werden.

Allerdings fügte Yellen am Mittwoch bei ihrer ersten Pressekonferenz seit ihrem Amtsantritt im Februar hinzu: „Es hängt davon ab, wie die Umstände sind.“

Die US-Notenbank nimmt also weiterhin nur langsam Abschied von ihrer Krisenpolitik. Wie die Fed aber zugleich mitteilte, werden die Anleihekäufe zur Ankurbelung der Wirtschaft erneut reduziert. Gestrichen wird ferner die Arbeitslosenquote als konkreter Zielwert für eine Zinserhöhung. „Es gibt noch viel tun, sowohl an der Jobfront als auch an der Inflationsfront“, sagte Yellen. Erstmals äußerte sie sich auch öffentlich zur Krim-Krise und möglichen Folgen für die Finanzmärkte.

Die geplanten Russlandgeschäfte des Energiekonzerns RWE und der Rüstungsfirma Rheinmetall mitten im Ukraine-Konflikt stoßen in der Politik auf wachsenden Unmut.

Die Grünen forderten die Bundesregierung auf, den Verkauf der RWE-Tochter Dea an einen russischen Großinvestor sowie eine Übernahme von Gasspeichern durch Gazprom zu stoppen. Auch die Rheinmetall-Lieferung für ein Gefechtsübungszentrum in Russland müsse unterbunden werden. Zuvor hatten sich auch Unionspolitiker kritisch zum Dea-Verkauf an eine Gruppe unter Beteiligung eines russischen Oligarchen geäußert.

RWE-Chef Peter Terium verteidigte die Transaktion. Mit der Bundesregierung sei darüber in den vergangenen Monaten ausführlich gesprochen worden, sagte er dem Nachrichtensender N24. „Das ist eine unternehmerische Entscheidung.“ Der Käufer habe nicht nur den besten Preis (etwa fünf Milliarden Euro) bezahlt. Auch für Dea – eine weltweit auf Gas- und Ölförderung spezialisierte RWE-Tochter – biete der Schritt die beste Perspektive und für die Mitarbeiter die größte Sicherheit zur Weiterbeschäftigung.

Zum Rheinmetall-Geschäft erklärte das Bundeswirtschaftsministerium, der Sachverhalt sei lange bekannt und bereits 2011 im Kontrollbericht über Rüstungsexporte erwähnt worden. Bei dem Deal handelt es sich laut Ministerium nicht um eine Ausfuhr von Kriegswaffen nach Russland. Dies sei schon seit mindestens zehn Jahren nicht mehr genehmigt worden.

EU-Kommissar Günther Oettinger befürchtet derweil keine Engpässe bei der Energieversorgung. Es gebe täglich Kontakte zu russischen Energieunternehmen, namentlich zu Gazprom. „Wir sind uns einig, dass Gaslieferungen für diesen politischen Konflikt doch eher ungeeignet sind“, sagte der für Energiefragen zuständige Kommissar auf der Konferenz: „Ich habe deswegen allen Grund zur Annahme, dass die Versorgungssicherheit für die EU-Mitgliedsstaaten gesichert bleibt.“

Die deutsche Wirtschaft baut weiter darauf, dass harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland abgewendet werden können. Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, sagte: „Ich hoffe weiterhin, dass wir eine politische Lösung finden werden“. Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, verwies auf die Stimmung in Russland. Das Land sei ein wichtiger Handelspartner für Deutschland. Alle gemeinsam sollten einen Ausweg suchen.

Außenhandels-Verbandschef Anton Börner geht davon aus, dass ein handfester Handelskonflikt für Russland viel schwieriger werden würde als für Deutschland. „Für uns wäre es schmerzhaft, besonders für die Unternehmen, die ein großes Russland-Geschäft haben“, sagte Börner der „Bild“-Zeitung (Donnerstag). „Aber für Russland wäre es katastrophal, weil das Vertrauen in den Staat und in die russische Wirtschaft völlig darniederläge. Das wäre ein Rückschlag, der Russland Jahrzehnte zurückwerfen würde.“

Mit Spannung dürften die Investoren am Montag weltweit die Lage auf der Krim beobachten. Sollte sich die Krim-Krise weiter zuspitzen, könnte dies auch in der neuen Börsenwoche für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen.

Mit Spannung dürften die Investoren am Montag weltweit die Lage auf der Krim beobachten. Sollte sich die Krim-Krise weiter zuspitzen, könnte dies auch in der neuen Börsenwoche für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen.

Zuletzt hatte der Konflikt am weltweit größten Aktienmarkt in New York für weitere Kursverluste gesorgt – auf Wochensicht bedeutete dies für den Index Dow Jones ein Minus von knapp 2,4 Prozent. Der deutsche Leitindex Dax hatte in der zurückliegenden Woche gar knapp 3,2 Prozent eingebüßt.

Erste Anhaltspunkte, wie es an den Börsen weitergeht, kann es schon in der Nacht zum Montag geben. Dann starten die Handelsplätze in Tokio, Sidney und in China in die neue Börsenwoche.

Im Schatten der Krim-Krise könnte der Dax in der neuen Woche weiter an Boden verlieren. „Der Leitindex bleibt anfällig für Rückschläge“, sagte Marktanalyst Christian Henke vom Broker IG. Die Nervosität an den Märkten bleibe immens hoch, zumal politische Entwicklungen wie der aktuelle Konflikt zwischen Russland und der Ukraine kaum vorhersehbar seien. Konjunkturdaten könnten dadurch in den Hintergrund treten.

Laut Henke spielt der Ausgang des Referendums über eine Abspaltung der ukrainischen Halbinsel an den Märkten kaum eine Rolle: „Das Ergebnis steht schon fast fest.“ Allgemein wird mit einer Zustimmung für einen Beitritt der Krim zu Russland gerechnet. Entscheidend für die weitere Richtung des Dax sei vielmehr die Frage, mit welchen Sanktionen oder Restriktionen die westlichen Staaten auf die Abstimmung reagieren werden.

Laut den Analysten von Raiffeisen Research versteht es sich von selbst, dass russische Gegensanktionen sehr wahrscheinlich seien, wenn die westliche Welt tatsächlich eine härtere Gangart gegenüber Moskau einlegen sollte. Scharfe wirtschaftliche Spannungen zwischen Russland und der EU könnten den Handel stark beeinträchtigen.

Rein rechnerisch geht in Transaktionen mit Kredit- und EC-Karten von 2.635 Euro je ein Euro durch Betrug verloren. Die EZB plädiert für höhere Sicherheitsstandards.

Der Trend zu mehr Einkäufen im Internet führt auch zu einem Anstieg des Kreditkartenbetrugs. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, liegt der finanzielle Schaden in den EU-Ländern sowie in Island, Monaco, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz aber nach wie vor nur bei einem Bruchteil der ausgeführten Transaktionen.

Es handele sich lediglich um 0,038 Prozent des gesamten Volumens von 3,5 Billionen Euro an Transaktionen mit Kredit- und EC-Karten. Das bedeutet, dass von 2.635 Euro rechnerisch ein Euro durch Kartenbetrug verloren geht.

Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Schaden durch Kartenbetrug 2012 erstmals seit 2008 wieder gestiegen. Neuere Zahlen sind nicht verfügbar. Besonders häufig kommen die Delikte laut EZB in Frankreich, Luxemburg und Großbritannien vor.

Die Zentralbank spricht sich für höhere Sicherheitsstandards im Zahlungsverkehr via Internet aus, indem etwa die Identifizierung von Kunden verbessert werde.

Airbus lässt Branchenkreisen zufolge den Superjumbo A380 öfter überprüfen als bisher. Hintergrund sei eine bei Tests festgestellte überraschend starke Materialermüdung in den Tragflächen, hieß es am Donnerstag. Der europäische Konzern habe Fluggesellschaften aufgefordert, bestimmte Teile der A380-Flügel bei Großinspektionen nach sechs und zwölf Jahren in der Luft genau unter die Lupe zu nehmen. Dies ist doppelt so oft wie bisher.

Die Bundesregierung will den Ausbau des schnellen Internets mit finanziellen Impulsen für die Telekom-Anbieter beschleunigen. „Wir brauchen eine Initialzündung“, sagte Bundesinfrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) „Spiegel Online“ anlässlich der Gründung einer „Netzallianz“ mit Branchenvertretern in Berlin. „Mein Ziel ist es, dass ein großer Teil der Einnahmen aus den zukünftigen Frequenzversteigerungen in die Digitalbranche zurückfließen.“ Aus den Kommunen und Ländern wurden Rufe nach Investitionen der Unternehmen und einem stärkeren Bundes-Engagement laut. Es geht um Milliardensummen.

Bei der Versteigerung von Frequenzen im Jahr 2010 hatte der Staat 4,4 Milliarden Euro eingenommen. Für die geplante Digitale Dividende II könnten Frequenzen versteigert werden, die Rundfunksender zurzeit noch nutzen. Ob Mobilfunk die Frequenzen überhaupt potenziell nutzen darf, ist allerdings noch nicht endgültig beschlossen.

Kurzfristig soll jedenfalls neues Fördergeld in die Internetbranche fließen, wie Dobrindt ankündigte. „Als ersten Schritt werde ich in dieser Wahlperiode aus dem Etat meines Ministeriums 100 Millionen Euro für eine Art Modernitätsfonds bereitstellen. Dieser soll kreativen Köpfen dabei helfen, ihre Ideen auch in München oder Berlin zu entwickeln – und nicht nur im Silicon Valley.“

Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2018 flächendeckend Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu erreichen. Derzeit sind solch schnelle Internetzugänge für gut die Hälfte der Haushalte verfügbar. Für eine volle Abdeckung wären Investitionen von rund 20 Milliarden Euro nötig, wie Experten schätzen. In der „Netzallianz“ will Dobrindt mit Telekommunikationsunternehmen, Netzbetreibern und Verbänden auch über staatliche Anreize sprechen.

Die Landkreise sehen zuerst die Unternehmen gefordert, alles für eine hochleistungsfähige Versorgung zu tun. „Im Breitbandausbau liegen Marktchancen für innovative, regionale Ansätze, gerade auch für mittelständische Unternehmen“, sagte der Präsident des Deutschen Landkreistags, Hans Jörg Duppré. SPD-Fraktionsvize Sören Bartol sagte, neben den großen Anbietern könnten auch Bürgerfonds bei der Finanzierung helfen.

China steigert seinen Militäretat in diesem Jahr überdurchschnittlich stark um 12,2 Prozent. Trotz der konjunkturellen Abschwächung soll das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr wieder 7,5 Prozent erreichen.

Dies sagte der neue Regierungschef Li Keqiang in seinem ersten Rechenschaftsbericht zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongresses in Peking. „Reformen haben in diesem Jahr höchste Priorität“, sagte Li Keqiang, der dem Markt eine entscheidende Rolle einräumen will. Angesichts des Smogs will der Premier der Umweltverschmutzung „den Krieg erklären“.

Die knapp 3000 Delegierten begannen ihre neuntägige Sitzung in der Großen Halle des Volkes mit einer Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags im Bahnhof der Metropole Kunming in Südwestchina. Bei dem Gemetzel waren am Samstag 29 Reisende getötet und 140 verletzt worden. Die Behörden haben vier Angreifer erschossen und vier andere festgenommen, die als Separatisten aus der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina beschrieben wurden. Der Premier verurteilte den Terrorakt und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.

Vor dem Hintergrund der Spannungen mit seinen Nachbarn und den USA, die ihre pazifische Präsenz ausbauen, steigert China seine Verteidigungsausgaben in diesem Jahr unerwartet stark auf 808 Milliarden Yuan (umgerechnet 95 Milliarden Euro), wie aus dem vorgelegten Entwurf des Haushalts hervorgeht. Die Militärausgaben zählen zu den Etatposten mit der höchsten Steigerungsrate.

In einem möglichen Hinweis auf Japan, mit dem China um historische Ansprüche auf eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer streitet, betonte Li Keqiang, China wolle den Sieg im Zweiten Weltkrieg und die internationale Nachkriegsordnung sichern: „Wir werden niemandem erlauben, den Kurs der Geschichte umzudrehen.“ Er versicherte zugleich, China wolle als „verantwortliche Macht“ eine konstruktive Rolle in der Lösung globaler und regionaler Krisenherde spielen.

Chinas Streitkräfte sollen „unter Berücksichtigung der neuen Bedingungen“ modernisiert und gestärkt werden, sagte der Premier in seinem rund 110-minütigen Rechenschaftsbericht. „Ihre Abschreckung und Kampffähigkeiten im Informationszeitalter werden weiter erhöht.“ China plane für die militärische Einsatzfähigkeit „unter allen Szenarien und in allen Gebieten“. Die Küsten-, Luft- und Grenzstreitkräfte müssten ausgebaut werden. China wolle auch seine Vorbereitungen auf den Kriegsfall verbessern, sagte der Premier.

Marktwirtschaftliche Umstrukturierungen stehen im Mittelpunkt seiner Wirtschaftspolitik. „Chinas Reform steht am Scheideweg“, sagte der Premier. „Wir müssen uns von gedanklichen Fesseln lösen und entschieden gegen feste Interessengefüge vorgehen.“ Entwicklung sei aber weiter der Schlüssel zur Lösung aller Probleme, deswegen müsse eine „angemessene Wachstumsrate“ bewahrt werden.

Offen beklagte der Premier den anhaltenden Smog in weiten Teilen des Landes und andere Umweltverschmutzung als „großes Problem“. „Es ist die Rote Ampel der Natur, die vor einer ineffizienten und blinden Entwicklung warnt.“ Wie in China Energie produziert und verbraucht werde, müsse sich verbessern. Li Keqiang versprach dem Milliardenvolk „energische Maßnahmen“, was die Delegierten mit Applaus quittierten.

Das Wachstumsziel von 7,5 Prozent war unverändert wie im Vorjahr, als im zweiten Jahr in Folge 7,7 Prozent erreicht worden waren – so wenig wie seit 1999 nicht mehr. Der Ausbau des heimischen Konsums müsse „der wichtigste Motor“ für Wirtschaftswachstum werden, was auch strukturelle Veränderungen zur Folge haben werde, sagte der Premier.

Während die Politik noch ratlos ist, wie sie mit der Krim-Krise umgehen soll, zeigen die Kapitalmärkte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits den Preis auf, den er für die Eskalation auf der Krim zu zahlen hat.

Als Reaktion auf die steigende Kriegsgefahr in der Ukraine zogen Investoren am Montag im großen Stil Geld von den russischen Kapitalmärkten ab. Damit könnten sie die Volkswirtschaft des Riesenreiches weiter schwächen, die zuletzt bereits unter den Folgen der Schwellenländer-Turbulenzen zu leiden hatte.

Infolge der Verkäufe erlebte der russische Aktienmarkt am Montag einen Crash. Der in Dollar ermittelte RTS-Index sackte zeitweise um 13 Prozent ab. Der größte Index-Titel, der Öl- und Gasproduzent Gazprom, verlor auf einen Schlag 19 Prozent an Börsenwert.

Etwa die Hälfte der Gaslieferungen des halbstaatlichen Energie-Giganten laufen durch die Ukraine, wovon sich Experten zufolge nur zwei Drittel umleiten lassen.

Moskaus Milliarden lösen sich in Luft auf

Insgesamt büßte die Moskauer Börse am Montag rund 43 Milliarden Euro an Marktwert ein. Rund drei Viertel der frei gehandelten russischen Aktien befinden sich in ausländischem Besitz, insofern können die Verluste als Misstrauensvotum der Märkte gewertet werden. Für die Moskauer Börse war es der größte Einbruch seit dem Kollaps der Investmentbank Lehman im Jahr 2008.

Auch russische Staatsanleihen wurden abgestoßen. Die Rendite schoss vorübergehend auf neun Prozent nach oben. Das war der höchsten Stand seit zwei Jahren. Investoren veranschlagen die Pleitewahrscheinlichkeit der Russischen Föderation nunmehr auf 29 Prozent binnen zehn Jahren.

Die russische Währung erlebte ebenfalls einen schwarzen Tag: Der Russische Rubel fiel gegenüber der Leitwährung Dollar und dem Euro auf einen historischen Tiefstand. Das Tagesminus betrug 1,7 Prozent. Seit Herbst vergangenen Jahres hat der Rubel zum Dollar bereits zwölf Prozent an Boden verloren, zum Euro beträgt das Minus sogar rund 14 Prozent.

Um den Rubel zu stützen und die Kapitalflucht zu stoppen, erhöhte die russische Zentralbank den Leitzins von 5,5 auf sieben Prozent. Das ist die stärkste Zinsanhebung seit Ende der Neunzigerjahre, als das Land einen Staatsbankrott erlebte. Die Aktion der Moskauer Zentralbanker verpuffte, wie die Entwicklung an den Märkten zeigte.

„Die Zuspitzung der Krise in der Ukraine ist ein Schock und lastet erheblich die Stimmung“, sagt Benoit Anne, Ökonom bei der französischen Großbank Société Générale (SG).

Die Börsenturbulenzen blieben jedoch nicht auf Moskau beschränkt. Internationale Investoren stießen auch europäische Aktien und risikobehaftete Anlageformen insgesamt ab, wenngleich nicht so extrem wie in Russland selbst.

Turbulenzen auch an der Deutschen Börse

Der Deutsche Aktienindex Dax brach über drei Prozent ein. Noch härter erwischte es die Anrainer-Staaten der Ukraine: An der Börse Warschau ging es in der Spitze um rund vier Prozent nach unten. Für Polen steht einiges auf dem Spiel. Fast neun Prozent aller Exporte geht in die Ukraine und nach Russland.

Im Gegenzug waren „sichere Häfen“ gefragt: Gold verteuerte sich auf knapp zwei Prozent auf 1350 Dollar. Das war der höchste Stand seit vier Monaten. Auch deutsche Staatsanleihen legten zu. Das Angstbarometer VDax klettert um mehr als ein Fünftel auf 20 Punkte. Das ist zwar ein erhöhtes Niveau, von Panik wollte jedoch niemand sprechen.

„Die Krim-Krise kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt für die Weltwirtschaft“, hieß es auf dem Parkett. In Amerika waren die letzten Wirtschaftsdaten schwach, und noch ist unsicher, ob es wirklich nur am klirrend kalten Winter lag. Auch aus China kamen zuletzt enttäuschende Zahlen, und Europa hat noch nicht bewiesen, dass der Aufschwung sich selbst trägt.

Hohe Pleite-Wahrscheinlichkeit

Experten sehen mehrere Unsicherheitsfaktoren für die Geldanlage daraus erwachsen: „Frage Nummer eins ist, ob die Krise, ähnlich wie der 11. September, das gesamte Weltfinanzsystem zum Wanken bringen kann“, sagt Lena Komileva, Ökonomin bei G+ Economics.

Die zweite Frage sei, ob die Ukraine in den Staatsbankrott rutsche, und die Wahrscheinlichkeit dafür ist deutlich gestiegen. Gemessen an Kreditausfallversicherungen liegt das Risiko dafür bereits bei deutlich über 50 Prozent.

Frage Nummer drei ist, wer am Ende für die Kosten des Konflikts aufkommt. „Für Investoren hat sich gerade eine neue Flanke aufgetan“, befürchtet Komileva.

„Die unsichere Lage in der Ukraine und das schwelende Risiko einer Eskalation erfordern bis auf weiteres eine vorsichtigere Ausrichtung für Anleger“, rät Daniel Lenz, Stratege bei der DZ Bank.

Österreichs Banken in Gefahr

Zum Problem werden könnte ein längerer Konflikt vor allem für Europas Banken, und da richtet sich der Blick nicht zuletzt auf Österreich.

Rund 230 Milliarden Dollar haben die Kreditinstitute des Landes in Osteuropa verliehen, das entspricht 56 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Die Börse Wien stand am Abend 3,6 Prozent im Minus. Einige Bankaktien verloren fast zweistellig.

Zu den Verlierern gehörte die Raiffeisenbank. Rund 16 Prozent des gesamten Kreditvolumens entfallen auf Russland und die Ukraine. Sollte sich die Krise ausweiten, stünde noch mehr Geld im Feuer. Nach Berechnungen der RBS hat die Raiffeisenbank rund 70 Prozent ihrer Kredite in Osteuropa vergeben.

Nicht alle Marktbeobachter wollten sich jedoch dem Schwanengesang anschließen: „Die aktuelle Unsicherheit bedeutet zunächst einmal Druck auf die Kurse“, sagt Wolfgang Engelmayer von der KapitalForum Schwaben/Allgäu e. V. Doch sei Angst allein ein schlechter Ratgeber für die Geldanlage. Sogar am russischen Aktienmarkt sieht Engelmayer Chancen.

„Die ohnehin schon niedrigen Bewertungen werden durch die Krise weiter gedrückt und bieten für den antizyklisch denkenden Investor hervorragende Kaufgelegenheiten.“

Einstiegskurse in Moskau?

Aus Sicht des Strategen sollten mutige Investoren Osteuropa-Fonds mit Schwerpunkt Russland ins Auge fassen: „Russland hat kaum Staatsschulden und besitzt ein Investment-Grade-Rating.“ Damit stehe es besser da als viele westeuropäische Staaten. Auch Euro-Anleihen russischer Emittenten seien für längerfristig denkende Investoren einen Blick wert.