Monthly Archives: Mai 2013

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Nach zwei starken Tagen drohen dem deutschen Aktienmarkt am Mittwoch Verluste. Von den verhaltenen Vorgaben aus Übersee gibt es keine Unterstützung. Der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex stand zuletzt bei 8.439 Punkten und damit 0,50 Prozent unter dem Xetra-Schluss vom Vortag. Im bisherigen Wochenverlauf hatte der Dax allerdings seine Korrektur aus der Vorwoche fast komplett wettgemacht – auf seinem gestrigen Tageshoch bei 8.526,42 Punkten fehlten ihm lediglich rund 30 Punkte zu seinem Rekordhoch aus der Vorwoche. Der Future auf den EuroStoxx 50 lässt aktuell einen 0,53 Prozent schwächeren Start des Leitindex der Eurozone erwarten.

In den USA fiel der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial seit dem Xetra-Schluss am Dienstag um 0,74 Prozent, während die wichtigsten Indizes Asiens wie der Hang-Seng und zuletzt auch der Nikkei schwächelten. Auf Konjunkturseite stehen am Vormittag Arbeitslosenzahlen aus Deutschland an. Ansonsten dürfte es eher ruhig bleiben.

KRITISCHER ARTIKEL ZU COMMERZBANK

Die Aktien der Commerzbank reagierten vorbörslich kaum auf einen kritischen „Handelsblatt“-Bericht: Beim Broker Lang & Schwarz (L&S) notierten sie bei 7,975 Euro und damit 0,31 Prozent unter dem gestrigen Xetra-Schlusskurs. Der Bericht verwies auf das auch nach einer Kapitalerhöhung mangelnde Vertrauen der Anleger in das Institut sowie die gestrige Abstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Schlimmstenfalls drohe bei der Index-Überprüfung Anfang September der Abstieg aus dem Dax . Dazu müsste die Aktie aber bei einem gleichbleibenden Streubesitz unter den aktuellen Bezugspreis der Kapitalerhöhung von 4,50 Euro fallen, heißt es unter Berufung auf Berechnungen einer Expertin. Ein Händler räumte dem Bericht wenig Bedeutung ein.

Im MDax legten die Aktien von Dürr vorbörslich um mehr als ein Prozent zu. Ein Händler sah indes einen Bericht der „Platow Börse“ als kleinen Stimmungsdämpfer, wenngleich die Aktie am Dienstag nach dem vorangegangenen faktischen Aktiensplit einen charttechnischen Ausbruch hingelegt habe. Der Börsenbrief erinnerte daran, dass die Titel des Anlagen- und Maschinenbauers durch die jüngste Ausgabe von Gratisaktien im Verhältnis 1:1 und die damit verbundene Kurshalbierung nur optisch günstiger geworden sind. Zwar habe Dürr die Kursrally zuletzt mit starken Quartalszahlen unterfüttert. Doch mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 für das laufende Jahr sei die Aktie „kein Schnäppchen mehr“.

PFEIFFER VACUUM RECHNERISCH ERHOLT

Die Aktien von Pfeiffer Vaccum erholten sich am Mittwoch bei L&S rein rechnerisch von ihrem 18-prozentigen Kurseinbruch am Vortag . Zwar gaben die Papiere des Spezialpumpenherstellers optisch nach – bei Berücksichtigung der Dividendenausschüttung von 3,45 Euro je Aktie ergibt sich aber ein rechnerisches Plus. Das Unternehmen hatte die Anleger am Dienstag mit einer Gewinnwarnung für das laufende Jahr verschreckt. Vorstandschef Manfred Bender rechnet mit rückläufigen Erlösen und Margen. Ein Analyst bezeichnete die Unternehmensprognosen dann auch als überraschend schwach. Laut Händlern strich Kepler Cheuvreux die Kaufempfehlung, HSBC hob die Papiere indes auf „Neutral“ an.

Die Fed flutet die Märkte mit billigem Geld und diese gieren danach wie ein Drogenabhängiger. Dieser Zustand wird auch noch andauern, schreibt Guido vom Schemm, Geschäftsführer von Merito Asset Management.

Die Fed stützt die Wirtschaft seit geraumer Zeit mit einem gewaltigen Anleihekaufprogramm im Gegenwert von 85 Milliarden US-Dollar monatlich. Mit dem dadurch geschaffenen Geld möchte man die anfällige Wirtschaft beleben und gleichzeitig darauf hoffen, dass die Arbeitslosigkeit sinkt.

Den geldpolitischen Kurs möchte man laut Fed-Chef Ben Bernanke erst lockern, wenn die Arbeitslosenquote in den USA auf 6,5 Prozent gefallen ist. Es wird noch lange dauern bis das Ziel nachhaltig erreicht ist. Außerdem sind die Kapitalmärkte derzeit auf Droge, ein zeitnaher, kalter Entzug hätte negative Konsequenzen.

Vor allem die Amerikaner fürchten die Folgen. Immer wieder diskutieren einige Mitglieder der amerikanischen Notenbank über die Folgen der ultraexpansiven Geldpolitik und ob man dieser nicht endlich einen Riegel vorschieben müsse. Doch was wären die Konsequenzen einer 180 Grad Kehrtwende in Sachen Geldpolitik?

Vielleicht hält die Aktien- und Anleihenrallye kurzfristig an. Doch schon schnell würde sich Verunsicherung breitmachen, sollte die amerikanische Wirtschaft bis zur geldpolitischen Straffung nicht auf einem soliden Fundament fußen.
Das US-BIP würde in diesem Fall signifikant zurückgehen, dadurch könnten Turbulenzen nicht nur an den US-Aktienmärkten ausgelöst werden.

Die europäische Wirtschaft, die ebenfalls auf einen starken amerikanischen Partner angewiesen ist, würde die Folgen ungebremst zu spüren bekommen. Als weitere Nebenwirkung suchen die Investoren verstärkt vermeintlich sichere Häfen auf, so dass eine verstärkte Nachfrage nach der amerikanischen Währung zu erwarten ist.

Dies würde zum Zweitrundeneffekt führen, indem amerikanische Exporte sich auf dem Weltmarkt verteuern. Ein Teufelskreis! US- und deutsche Staatsanleihen wären hingegen die Hauptprofiteure in einem solchen Szenario.

Nicht nur die typische Vermögens-Rotation sorgt für Zuflüsse, denn auch eine rückläufige Konjunktur sorgt für geringere Inflation – eventuell für Deflation – und erhöht damit die Attraktivität von Anleihen.

Realistisch betrachtet wird die Fed erst einen Testballon starten können, wenn die Wirtschaft den Rahmen dafür bietet. Ob dieser Test in Form einer Reduktion der Geldmenge oder in Form einer Zinserhöhung stattfindet, bleibt abzuwarten. Wie können Anleger einen Wendepunkt in der Geldpolitik erkennen und diesen sogar antizipieren?

Der Investor kann an den Fed-Aktivitäten am Kapitalmarkt Wendepunkte festmachen. Eine Umkehr der Geldpolitik wird aber erst nach neuen Hochpunkten an den bedeuteten Aktienmärkten passieren. Solche Wendepunkte sind übrigens meistens nachhaltig.

Erste, leichte Zinserhöhungen machen der Börse und der Wirtschaft in der Regel nichts aus. Ein Umschwenken der Fed ist also in naher Zukunft nicht zu erwarten. Viele Indikatoren deuten noch daraufhin, dass die US-Wirtschaft nicht kräftig genug ist, um nachhaltig auf eigenen Füßen zu stehen.

Es ist aktuell eher damit zu rechnen, dass die Märkte noch mehr Drogen verabreicht bekommen. Getreu dem Motto – viel hilft viel. Erst wenn wir deutlich höhere Kurse als heute gesehen haben, ist die Zeit für einen Schwenk in der Geldpolitik reif.

Beamte in Hessen sollten wie Angestellte im öffentlichen Dienst 2013 und 2014 je 2,8 Prozent mehr Geld erhalten. So hatten es CDU und FDP versprochen. Im Landtag wurde nun aber klar: Im Geldbeutel der Beamten landet wohl nur ein Plus von zweimal 2,6 Prozent.

Für einen hessischen Beamten mit einem Monatsbrutto von 3.000 Euro geht es um 6 Euro. So hoch ist in diesem Fall der Unterschied zwischen einer Erhöhung der monatlichen Bezüge um 2,8 Prozent (3.084 Euro) oder um 2,6 Prozent (3.078 Euro). Auf diese 6 Euro muss solch ein Beamter bei der anstehenden Erhöhung der Dienstbezüge in Hessen allerdings wohl verzichten – was den einen oder anderen möglicherweise überraschen wird.

Anders als die Angestellten im öffentlichen Dienst sollen die rund 100.000 hessischen Beamten auf ihren Gehaltszetteln zum 1. Juli 2013 und 1. April 2014 keine Einkommenssteigerungen von 2,8 Prozent verbuchen können – sondern von 2,6 Prozent, wie am Donnerstag im Landtag deutlich wurde. Dort hatten die Regierungsparteien CDU und FDP einen entsprechenden Gesetzentwurf in erster Lesung beschlossen.

Dabei hatten CDU und FDP vor genau einem Monat, am 23. April, in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Besoldungssteigerungen in Höhe von zweimal 2,8 Prozent für die Jahre 2013 und 2014 gesprochen. „Trotz knapper Kassen sollen Beamte und Richter im Vergleich zu den Angestellten nicht benachteiligt werden“, so die Fraktionschefs Christean Wagner (CDU) und Wolfgang Greilich (FDP).

0,2 Prozentpunkte für Beamtenversorgung
Die angekündigten 2,8 Prozent entsprächen dem Tarifabschluss im öffentlichen Dienst vom April 2013. Aber was ist nun richtig? Bekommen die Beamten im Juli und April nun jeweils 2,6 oder 2,8 Prozent mehr Geld? „Es bleibt bei den versprochenen 2,8 Prozent“, erklärte der Sprecher der CDU-Fraktion, Christoph Weirich, am Donnerstag auf Nachfrage von hr-online – und schränkte zugleich ein: „… wenn man 0,2 Prozentpunkte Versorgunsgsrücklage hinzunimmt.“ Davon war in der CDU/FDP-Pressemitteilung vom 23. April noch keine Rede.

Im Gesetzentwurf heißt es nun: „Jedoch sind die Anpassungen (…) gegenüber den tariflichen Erhöhungssätzen um 0,2 Prozentpunkte zugunsten der Versorgungsrücklage des Landes zu vermindern.“ Geld also, dass in einen Ländertopf fließt, aus dem später einmal Beamtenpensionen mitfinanziert werden sollen, das im Portemonnaie der jetzigen Beamten aber erst einmal nicht auftaucht.

GEW: „Kürzung durch die Hintertür“
So sieht das auch die Lehrergewerkschaft GEW. „Es ist keine Erhöhung wie zugesagt um 2,8 Prozent“, sagte Landeschef Jochen Nagel zu hr-online. „Da wurde durch die Hintertür gekürzt.“

Auch die SPD im Landtag sieht in dem jetzt beschlossenen Gesetzentwurf einen Rückzug der Regierungskoalition von früheren Versprechen: „So sollen die Besoldungserhöhungen zum 1. Juli 2013 um 2,6 statt um 2,8 Prozent steigen“, stellt der Abgeordnete Günter Rudolph fest. „Mit dem vorgelegten Gesetzentwurf von CDU und FDP werden hessische Beamtinnen und Beamte sowie bereits oftmals in den letzten Jahren erneut schlechter gestellt und ein Sonderopfer von ihnen verlangt.“ Noch gravierender seien aber die Einmalzahlungen, die nicht aus dem Tarifabschluss des öffentlichen Dienstes übernommen würden.

Keine Einmalzahlung für Beamte
Im Vergleich zu ihren angestellten Kollegen müssen die hessischen Beamten 2013 und 2014 auf zwei Einmalzahlungen von 450 und 225 Euro, insgesamt also 675 Euro verzichten. Solche Zuwendungen seien „angesichts der schwierigen Haushaltslage und den Zielen der Schuldenbremse nicht darstellbar“, teilten Abgeordnete von CDU und FDP übereinstimmend mit.

Bei den Oppositionsfraktionen stieß das auf deutliche Kritik. Gerade für die unteren und mittleren Besoldungsgruppen seien 675 Euro ein nicht zu vernachlässigender Betrag, so der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich. Viele Beamte seien auf die Einmalzahlungen angewiesen, sagte auch der SPD-Politiker Rudolph. Und die Linke kritisierte, den Beamten werde wegen der Schuldenbremse in die Taschen gegriffen.

Unter dem Strich gibt es für Hessens Beamte also weniger Geld als erhofft. Inkrafttreten wird das Gesetz nach zweiter oder dritter Lesung im Landtag.

Die S & K-Immobilienfirma warb Anleger mit einer wert­losen Tüv-Bescheinigung für ihre dubiosen Fonds. Der Tüv ließ S & K gewähren. Nun sind die Gründer von S & K in Haft. Ihnen wirft die Staats­anwalt­schaft Betrug vor. Und die Anleger bangen um ihr Geld.

Auf Kunden­fang mit dem Prüf­ergebnis vom Tüv

Ob Note, Siegel oder Bescheinigung – wenn sie vom Tüv kommen, wecken sie Vertrauen. Das wussten auch Stephan Schäfer (S) und Jonas Köller (K), Chefs der Frank­furter Immobilienfirma S & K. Sie beauftragten den Tüv Süd, ihnen den Wert ihrer Immobilien zu bescheinigen. Mit dem Prüf­ergebnis des Tüv schickten sie dann Vermittler auf Kunden­fang. Zahllose Anleger vertrauten dem Tüv-Prüfbe­richt, der S & K noch Ende August 2011 einen Immobilien­bestand mit einem Verkehrs­wert von mehr als 101 Millionen Euro bestätigte. Dass Tüv-Firmen wenig Glück bei der Bewertung von Geld­anlagen hatten, zeigte sich schon vor Jahren. Der Tüv Rhein­land stellte seine umstrittenen Beur­teilungen 2008, der Tüv Nord Ende 2009 ein.

Eine Chronik der Pleiten

Wie falsch die Bescheinigung des Tüv Süd war, dürfte Anlegern am 19. Februar 2013 geschwant haben. Im Rahmen einer bundes­weiten Groß­razzia wurden die S & K-Gründer Schäfer und Köller sowie die Geschäfts­führer von Firmen verhaftet, die mit S & K zusammen­gearbeitet hatten. Die Staats­anwalt­schaft wirft ihnen banden- und gewerbs­mäßigen Betrug vor. Zudem sollen Schäfer und Köller in Saus und Braus gelebt haben und dafür privat viel Anlegergeld auf den Kopf gehauen haben. Seit der Inhaftierung der S & K-Verantwort­lichen gehen Gesell­schaften, die mit S & K zu tun hatten, reihen­weise pleite die Chronik der Pleiten. Dazu gehören so bekannte Emissions­häuser wie die Deutsche Capital Management AG oder die SHB Inno­vative Fonds­konzepte. Auch sechs Immobilienfonds sowie das dazu­gehörige Emissions­haus United Investors sind insolvent. Weit über 100 Millionen Euro sollen Anleger in die Fonds einge­zahlt haben, bei denen nun vorläufige Insolvenz­verwalter prüfen, ob noch Vermögen vorhanden ist.

Anlegergeld auf den Kopf gehauen

Wahr­scheinlich ist das nicht, denn Fonds wie die Deutsche S & K Sach­werte und der Nach­folgefonds Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 investierten das Anlegergeld nicht direkt in Immobilien. Vielmehr gaben sie das Anlegergeld als Darlehen an das Emissions­haus United Investors weiter. Das wiederum reichte das Geld an S & K weiter. Schäfer und Köller nutzten das Geld für alles Mögliche. Unter anderem kauf­ten sie sich damit in Unternehmen ein, setzten dort Vertraute als Geschäfts­führer ein, um so an zusätzliche Barmittel zu kommen. Möglich wurde die Abzocke auch durch den vom Tüv Süd bescheinigten Verkehrs­wert des Immobilien­bestands der S & K-Gruppe.

„Da waren meine Zweifel weg“

„Ohne die Tüv-Bescheinigung“, sagt Peter Schulz* aus Potsdam, „hätte ich Ende 2012 niemals 25 000 Euro in den Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 der United Investors einge­zahlt.“ Die vom Vermittler der Euro Kontor aus Potsdam behauptete Auszahlung von 1 Prozent im Monat oder 12 Prozent pro Jahr, sei ihm auch für eine Immobilien­investition recht hoch vorgekommen. Doch der Vermittler habe ihm erklärt, dass S & K auf den Kauf von Immobilien weit unter Verkehrs­wert spezialisiert sei und deshalb viel höhere Rohgewinne als andere Immobilienfirmen erziele. Zum Beweis habe er die Tüv-Bescheinigung vorgelegt. „Da waren meine Zweifel vom Tisch gewischt“, sagt Schulz. „Bisher hielt ich den Tüv für hoch­seriös.“

Eine Stellung­nahme des Tüv Süd

Tatsäch­lich listete die Tüv Management Service GmbH An- und Verkaufs­preise der Immobilien schlicht auf der Grund­lage von Dokumenten auf, die S & K vorgelegt hatte. Ein Groß­teil der Wert­gut­achten wurde von einem Sach­verständigen abge­fasst, der jetzt in Unter­suchungs­haft sitzt. Was der Tüv für das Zusammenzählen der von S & K vorgelegten Zahlen kassierte, wollte er gegen­über Finanztest nicht mitteilen. Einsicht in die beiden Kriterienkataloge, die der Prüfung zugrunde liegen sollen, könne der Tüv nicht geben, weil er dem Auftrag­geber gegen­über zur Vertraulich­keit verpflichtet sei, erklärt Heidi Atzler von der Tüv Süd Unter­nehmens­kommunikation. Im Übrigen habe es sich um eine interne Bescheinigung gehandelt, bei der nach den Regeln des Kunden geprüft werde. S & K hätte damit nicht werben dürfen, verteidigt sich der Tüv.

Ein schlechtes Gewissen beim Tüv?

Ein schlechtes Gewissen hatte man beim Tüv aber wohl doch. In den Monaten vor der Inhaftierung der S & K-Bosse habe es „nach­drück­liche Gespräche“ gegeben, um die Anlegerwerbung mit dem Tüv-Papier zu stoppen. Leider habe das Thema nicht zufrieden­stellend geklärt werden können. Konsequentes Einschreiten gegen unerlaubte Werbung mit einer Tüv-Bescheinigung, die zudem noch als falsch erkannt ist, sieht anders aus. Schulz hat den Fall an Rechts­anwalt Jochen Resch aus Berlin übergeben. Der prüft, ob er den Tüv für den Schaden von Schulz haft­bar machen kann.

Nach den herben Verlusten vom Vortag ist der Dax am Freitag fester in den Handel gegangen. In den ersten Minuten legte der deutsche Leitindex 0,4 Prozent auf 8383,7 Punkte zu, nachdem er am Vortag um 2,1 Prozent abgesackt war. Mit Erleichterung registrierten die Anleger, dass der Tokioter Nikkei-Index seine Talfahrt vom Vortag nicht fortsetzte und nach einem extrem volatilen Handel im Plus schloss. Im Fokus der Investoren dürfte zudem der Ifo-Geschäftsklimaindex (10:00 Uhr) stehen, bei dem Analysten im Schnitt mit einen minimalen Anstieg auf 104,5 von 104,4 Zählern rechnen.

An der Dax-Spitze standen die Anteilsscheine von Thyssen-Krupp, die 1,4 Prozent gewannen. Die Analysten der HSBC stuften die Titel herauf auf „overweight“ von „neutral“. Zu den größten Verlierern im Leitindex zählten die Aktien von Daimler mit einem Minus von 0,7 Prozent, nachdem Barclays die Titel auf „underweight“ von „equal-weight“ heruntergenommen hatte. An der Wiener Börse verloren die Aktien der Raiffeisen Bank International 0,4 Prozent. Der langjährige Chef des Geldhauses, Herbert Stepic, zieht offenbar die Konsequenzen aus der Affäre um seine Immobiliengeschäfte und räumt seinen Stuhl. Der österreichische Leitindex legte 0,5 Prozent zu.
Deutsche Anleihen mit leichten Gewinnen

Deutsche Staatsanleihen sind am Freitag mit leichten Aufschlägen in den Handel gegangen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg zum Start um 0,08 Prozent auf 144,50 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank leicht auf 1,43 Prozent.

Nach dem Einbruch der Börse in Tokio am Donnerstag lagen die Notierungen auch am Freitag lange Zeit im Minus. Erst kurz vor Handelsschluss drehten die wichtigen japanischen Aktienindizes ins Plus. Der Zulauf in sichere Anlagen wie deutsche Anleihen war damit etwas moderater.

Im Tagesverlauf warten die Investoren gespannt auf die Unternehmensumfrage des Ifo-Instituts. Nach Einschätzung von Bankvolkswirten dürfte das Geschäftsklima im Mai stagnieren. Sollten die Erwartungen enttäuscht werden, würde der Frühindikator zum dritten Mal in Folge sinken und damit eine konjunkturelle Wende zum Schlechten hin signalisieren. Am Primärmarkt bleibt es wie vor dem Wochenende üblich ruhig.

Nach dem Bekanntwerden dubioser Immobiliengeschäfte in Singapur, zieht der Chef der Raiffeisen Bank International Konsequenzen und tritt zurück. Die Vorwürfe werden nun geprüft.

Offshore-Leaks hat Österreich erreicht: Wie die von internationalen Medien und der Süddeutschen Zeitung ausgewerteten Datensätze beweisen, hat der langjährige Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, über zwei Briefkastenfirmen Wohnungen in Singapur gekauft. Der Manager hat dies auch bestätigt.

Nun zieht Stepic Konsequenzen und tritt zurück. Er stelle seine Funktion als RBI-Chef aus persönlichen Gründen zur Verfügung, teilte das Institut mit. Bis zur Entscheidung der Gremien der Bank werde er den Posten weiter ausüben. Stepic will sich später zu seinem Rücktritt äußern.

Dem österreichische Magazin News und der Süddeutsche Zeitung zufolge hatte Stepic erklärt bei den Immobiliengeschäften steuerlich korrekt vorgegangen zu sein. Die Bankenaufseher bei der Oesterreichischen Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht FMA wollen die Vorgänge überprüfen.

Die Geldwäscheprobleme in Zypern sind offenbar größer als zunächst vermutet. Das geht aus einem Bericht des Europarats und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hervor. Demnach wissen viele Banken des Landes nicht mal, wer ihre Kunden sind.

Die zyprischen Banken können einer Studie zufolge bislang keine Erfolge bei der Bekämpfung von Geldwäsche vorweisen. Wie aus einem Bericht vom Expertenausschuss Moneyval des Europarats und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hervorgeht, ist das Bankensystem des klammen Euro-Lands anfälliger als zuvor befürchtet. Die Schutzmaßnahmen und Kontrollen der Kreditinstitute seien in einigen Fällen mangelhaft gewesen.

Der Bericht datiert vom 10. Mai. Die Experten des Komitees hätten Zypern vom 19. bis 31. März besucht. Moneyval habe danach seine zuvor günstigere Einschätzung „deutlich revidiert“, hieß es weiter. Zuletzt hatte sich der Ausschuss Zypern Ende 2011 angesehen.

Die zyprischen Banken wüssten manchmal nicht einmal, wer ihre Kunden tatsächlich seien. Außerdem hätten die Institute eine beträchtliche Zahl von verdächtigen Transaktionen nicht an die Behörden gemeldet. Die Geldwäsche in Zypern war eines der am stärksten kritisierten Probleme, als es um die Rettung für das Mittelmeerland ging.

Trotzdem erhält der Inselstaat Hilfskredite in Milliardenhöhe von seinen internationalen Geldgebern. Am Mittwoch gab der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Anteil an den Hilfen frei. Der IWF übernimmt eine Milliarde Euro am jüngst vereinbarten Rettungspaket für Zypern, neun Milliarden kommen vom Euro-Rettungsfonds ESM.

Zuvor musste Zypern eine Reihe von Bedingungen der internationalen Geldgeber erfüllen, zum Beispiel die Abwicklung der zweitgrößten Bank des Landes, Laiki. Auch zu einer schärferen Bekämpfung der Geldwäsche hat die Regierung sich verpflichtet.

Seit Monaten geistern einige fragwürdige Argumente durch die Medien. Etwa so: Die amerikanische Wirtschaft erholt sich schneller als erwartet. Folglich seien steigende Zinsen nur noch eine Frage der Zeit, womit die Attraktivität des zinslosen Goldes abnehme. Oder so: Die amerikanischen Aktienkurse eilen von Rekord zu Rekord. Das ist ein Zeichen dafür, dass Anleger Vertrauen in die Wirtschaft fassen, und impliziert, dass Gold als Krisenmetall die besten Zeiten hinter sich hat. Oder so: Der Goldpreis ist zuletzt stark gefallen. Das deutet darauf hin, dass wir uns um die Inflation keine Sorgen zu machen brauchen, denn der Goldpreis ist ein Inflationsindikator.

Das erste Argument stammt sinngemäß unter anderem von der US-Investmentbank Goldman Sachs aus diesem Februar. Steigende Zinsen mögen ja alles auslösen, was die Phantasie hergibt, aber weniger Attraktivität des zinslosen Goldes? Drehen wir den Spieß doch einfach um: Falls die Zinsen steigen, fallen die Kurse der bereits emittierten Anleihen und später wahrscheinlich auch die Aktienkurse. Eine der Folgen dürfte dann das dadurch ausgelöste Chaos an den Finanzmärkten sein, denn für die seit Jahren an sehr großzügige Geldspritzen gewöhnten Amerikaner würde der Zinsanstieg einen Schock auslösen. Gold als sicherer Hafen könnte in diesem Fall durchaus an Attraktivität gewinnen.

Das zweite Argument geht davon aus, dass steigende Aktienkurse und Goldpreise Gegensätze bilden. Das ist zeitweise sicher der Fall, gilt jedoch nicht immer, besonders nicht seit der Jahrtausendwende. So stiegen die Aktienkurse weltweit von 2003 bis 2007, während der Goldpreis, der seinen Anstieg 2001 begonnen hatte, von 2003 bis 2007 weiter anzog. 2008/09 ging es dann mit Aktien und Gold im Zuge der internationalen Finanzkrise gemeinsam abwärts.

Das dritte Argument besticht durch seine Einfachheit. Doch genau die ist hier fehl am Platz, weil es sich bei der Inflation um ein komplexes Gebilde handelt: Ausweitung der Geldmenge, Asset Inflation (Anstieg der Aktien- und Anleihenkurse, der Immobilien- und Edelmetallpreise usw.), steigende Verbraucherpreise, Lohn-Preis-Spirale, gefühlte Inflation und Inflationserwartungen – um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. Gold als Indikator für welche von diesen Spielarten der Inflation? Diese Frage lässt sich kaum schlüssig beantworten.

Eines steht allerdings fest: „Wenn Zentralbanken anfangen, Schulden zu kaufen, werden sie irgendwo auf diesem Weg Inflation produzieren.“ Dieser Satz stammt von der angesehenen Harvard-Volkswirtin Carmen Reinhart aus einem Spiegel-Interview vom 8. April. Der Schuldenkauf durch die US-Notenbank ist ja schon in vollem Gang. Die Bank von Japan befindet sich gerade auf dem Weg, ihr amerikanisches Vorbild zu übertrumpfen. Und der Europäischen Zentralbank wird nichts anderes übrig bleiben, als ihre Versuche in diese Richtung verstärkt fortzusetzen. Oder wie der erfahrene Vermögensverwalter Jens Ehrhardt in einem Interview für boerse.ARD.de behauptet: „Wenn die EZB den Euro weiter erhalten will, muss sie schwere Geschütze auffahren. Sie muss massiv Geld drucken, genauso wie die Fed in den USA.“

Wie ich hier vor drei Wochen darzulegen versucht habe, betreten die Zentralbanken damit Neuland. Das heißt, sie setzen schwere Geschütze ein in der Hoffnung, dass niemand von einem Querschläger getroffen wird und dass sie das Feuer zur richtigen Zeit wieder einstellen. Wie Letzteres geschehen soll, ob unter Führung der USA, in einer fein abgestimmten Gemeinschaftsaktion der großen Zentralbanken oder jede von ihnen für sich, steht heute ebenso wenig fest wie das Ausmaß der Kollateralschäden, etwa Kursstürze, Kapitalverkehrskontrollen oder sogar Währungskriege.

Dass man sich als Anleger davor schützen muss, indem man auf verschiedene Anlagen mit dem Schwerpunkt auf Sachwerten setzt, zieht sich ja seit vielen Monaten wie ein roter Faden durch meine Kolumnen. Trotzdem möchte ich dieses Thema heute noch einmal von einer anderen, eher grundsätzlichen Seite aufgreifen, denn die Anlagen haben verschiedene Eigenschaften. Das heißt, ihr Preisniveau, ihre Chancen und Risiken, ihre Liquidierbarkeit und – aus aktuellem Anlass von besonderer Bedeutung – ihr Schutz vor den Eingriffen des Staats unterscheiden sich gewaltig. Dazu drei Beispiele:

Gold, zum Teil auch Silber, übt nach wie vor seine Funktion als sicherer Hafen bzw. als ultimativer Schutz vor der Geldentwertung aus, vorausgesetzt, Sie verwahren es in Ihrem heimischen Safe oder an einer sonstigen sicheren Stelle. Gold- und Silberaktien gehören einerseits der Edelmetall-, andererseits der Aktienkategorie an: Die Erschließung von Minen erfordert Investitionen ähnlich wie der Bau von Autos oder der Betrieb von Kraftwerken. Die Erträge der Gold- und Silberunternehmen hängen von den Preisen der Edelmetalle ab; und im Gegensatz zu Auto- oder Stromkonzernen, die weitgehend ihre eigene Preispolitik betreiben, sind Minen auf die Marktpreise angewiesen. Nicht zuletzt daraus ergeben sich die starken Kursschwankungen ihrer Aktien.

Zum Thema Aktien generell ist aus aktuellem Anlass zu sagen: Die ständigen Aussagen über ihre Alternativlosigkeit gehen mir auf die Nerven, zumal dann, wenn die im Vergleich zu anderen Anlagen hohe Dividendenrendite hervorgekehrt wird. Aktien sind wunderbare Anlagen, wenn man sie zu niedrigen Kursen kauft und zu hohen wieder verkauft. Ihre leichte Liquidierbarkeit unterscheidet sie wohltuend von Immobilien, und die Spekulation mit Aktien kann unter den genannten Voraussetzungen viel Spaß machen. Doch wehe, wenn man auf die falschen setzt oder wenn das Timing einfach nicht stimmen will, was ja recht häufig vorkommt – dann kann es regelmäßig zu Gefühlswallungen kommen. Wer sich daran nicht stört und Anlagefehler auf dem Konto Erfahrung verbucht, kann im Lauf der Jahre zu einem erfolgreichen Spekulanten heranreifen. Dividenden sind dann quasi nur noch wie Boni, die man nebenbei gern mitnimmt.

Immobilien mit dem Schwerpunkt Wohnen gelten unter recht vielen Anlegern seit etwa zwei Jahren als wahre Wunderanlagen: Mietrenditen zwischen 4 und 6 Prozent, obendrein Preisanstieg, und wenn man Makler reden hört, ist der Inflationsschutz offenbar automatisch eingebaut. Gegenargumente fallen da nicht schwer: Mietrenditen zerbröseln nicht nur mit Reparaturen, Mietminderungen und Mieterwechseln, sondern auch mit der Entfernung zum nächsten Ballungsgebiet. Der Preisanstieg findet vor allem in Metropolen, Universitäts- und sonstigen interessanten Städten statt; für den Inflationsschutz gilt im Prinzip dasselbe. Immobilien für den Eigenbedarf kommen zwar infrage, aber auch für sie fallen Reparaturen an, und ihr Standort ist ebenfalls ein wichtiger Wertfaktor. Eines verbindet alle Immobilien: Sie lassen sich im Gegensatz zu Edelmetallen und Aktien nicht mal eben liquidieren.

Fazit: Legen Sie Ihr Geld nach den hier genannten Kriterien an, planen Sie den Einsatz abgestimmt auf Ihre ganz persönlichen Bedürfnisse – und lassen Sie sich nicht nervös machen, wenn irgendwelche finsteren Mächte den Goldpreis zu Fall zu bringen versuchen, denn es wird ihnen nicht auf Dauer gelingen.